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AIE vergibt Portugal für die Energiewende „Sehr gut“: 10 Empfehlungen

Mann mit Tablet zeigt auf Windräder neben Solarpanels auf Dach mit Elektroauto-Ladestation und Brücke im Hintergrund.

Während die Welt erneut in eine Energiekrise rutscht, am Horizont eine reale Knappheit bei Erdöl und raffinierten Produkten droht und die Europäische Union darum ringt, weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu werden, hat Portugal von der Internationalen Energieagentur (AIE) für die laufende Energiewende die Bewertung „Sehr gut“ erhalten. Zur Bestnote reicht es allerdings noch nicht: Die AIE sieht mehrere Baustellen und legt der Regierung rund zehn Empfehlungen vor.

„Die Stromerzeugung in Portugal weist inzwischen eine der niedrigsten CO2-Intensitäten unter den AIE-Mitgliedsländern auf“, lautet das Fazit des neuen Berichts „Energy Policy Review“, der am Freitagvormittag in Lissabon von der stellvertretenden Exekutivdirektorin der AIE, Mary Burce Warlick, gemeinsam mit dem Staatssekretär für Energie, Jean Barroca, vorgestellt wird. Das Papier hebt zudem hervor, dass Portugal seit 2022 „die zweitstärkste Reduktion der Erdgasnachfrage unter den 32 Ländern der Agentur“ verzeichnet hat.

AIE-Bewertung der Energiewende in Portugal

In der von der AIE vorgenommenen Analyse der nationalen Politiken heisst es, Portugal mache dank des schnellen Ausbaus der Solar-Photovoltaik in den vergangenen Jahren – zusammen mit den weiterhin wichtigen Beiträgen aus Wasserkraft und Windenergie – spürbare Fortschritte bei der Umgestaltung seines Stromsystems. Gleichzeitig betont die Agentur, dass es in mehreren Bereichen zusätzliche Anstrengungen brauche, um die eigenen, sehr ambitionierten Ziele zu erreichen. Positiv wird ausserdem vermerkt, dass das Land „die Energiesicherheit gestärkt und die Abhängigkeit von Importen“ fossiler Energieträger verringert habe.

„Portugal hat eine solide Basis durch schnelle Fortschritte bei erneuerbarem Strom aufgebaut“, erklärte Mary Burce Warlick in einer Mitteilung.

Wo Portugal laut AIE nachlegen muss: Elektrifizierung und Netze

Trotz der guten Ausgangslage sei nicht alles eitel Sonnenschein, so der Bericht. Portugal müsse „grössere Fortschritte bei der Elektrifizierung der Sektoren Verkehr, Gebäude und Industrie erzielen sowie die Netzinfrastruktur verbessern“, um die anspruchsvollen Ziele des Nationalen Energie- und Klimaplans (PNEC) für 2030 sowie die Klimaneutralität bis 2045 zu erreichen. Damit würden zugleich die Importabhängigkeit von Energie und die Anfälligkeit gegenüber Preisvolatilität sinken. Als ein zentraler Ansatz werden sektorale Vereinbarungen genannt, die Koordination verbessern, Investitionen besser ausrichten und den beteiligten Akteuren mehr Klarheit geben sollen.

Der Bericht weist darauf hin, dass der Strombedarf im Land bereits zu steigen beginnt, weil die Elektrifizierung in Verkehr, Gebäuden und Industrie an Tempo gewinnt. Parallel dazu führt der wachsende Anteil von Solar- und Windstrom zu einem deutlich höheren Bedarf an Flexibilität: Dazu zählen Batteriespeicher, Massnahmen auf der Nachfrageseite im Strommarkt sowie weitere Ressourcen, die das System in Echtzeit im Gleichgewicht halten können.

Stromnetzplanung und Systemflexibilität

„Eine stärker integrierte und proaktive Netzplanung wird entscheidend sein.“ Nach Einschätzung der AIE sind Investitionen in Übertragungs- und Verteilnetze nötig, um neue Erzeugungskapazitäten einzubinden, die Elektrifizierung zu unterstützen und den grenzüberschreitenden Stromhandel im iberischen Markt zu stärken. Ebenso wichtig sei es, die Abstimmung zwischen den Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern zu verbessern und nationale sowie lokale Planungsprozesse besser aufeinander abzustimmen.

Mit Blick auf die Flexibilität des nationalen Stromsystems rät die AIE zur Ausarbeitung einer szenariobasierten Roadmap, zur Ausweitung der marktbasierten Beschaffung von Systemdienstleistungen und zum Abbau von Hürden, die den Einstieg neuer Technologien in diese Märkte verhindern.

Verkehr, Industrie und Gebäude

Kritik übt die Agentur insbesondere an der „schwachen Elektrifizierung des Verkehrssektors“, der derzeit die grösste Emissionsquelle ist. Als Gründe nennt der Bericht eine „veraltete und ineffiziente Fahrzeugflotte“. Zwar hätten Elektrofahrzeuge im Jahr 2025 bereits 38% der Neuzulassungen ausgemacht und damit über dem europäischen Durchschnitt gelegen, doch ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand sei weiterhin gering (6%). Die AIE empfiehlt deshalb, den Kauf gebrauchter Elektrofahrzeuge stärker zu unterstützen, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu beschleunigen und die Politikmassnahmen zu verstärken, die eine höhere Nutzung von öffentlichem Verkehr und der Bahn fördern.

In der portugiesischen Industrie seien die Emissionen in den letzten Jahren hingegen nahezu unverändert geblieben. Aus Sicht der AIE braucht es „eine klare Industriestrategie mit subsektoralen Massnahmen“, um Investitionen zu lenken, die Wettbewerbsfähigkeit zu stützen und erneuerbaren Strom gezielt für den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten zu nutzen. Bei Gebäuden wiederum seien mehr Energieeffizienz und eine schnellere Umsetzung tiefgreifender Sanierungen entscheidend, um die Kosten für Haushalte zu senken.

Die 10 Empfehlungen der AIE für Portugal

  1. Eine nationale Roadmap auf Basis sektoraler Vereinbarungen verabschieden, um kosteneffiziente Emissionssenkungen zu unterstützen.
  2. Eine faire und wirksame Energiewende sicherstellen, indem die Gruppen gestärkt werden, die am stärksten von der Transformation betroffen sind und zugleich für ihre Umsetzung entscheidend sind.
  3. Sicherstellen, dass Strompreise die Versorgungskosten widerspiegeln, damit Verbraucherinnen und Verbraucher vollständig von der Elektrifizierung profitieren können, und gleichzeitig vulnerable sowie einkommensschwache Haushalte schützen.
  4. Die Elektrifizierung des Verkehrssektors beschleunigen, mit Schwerpunkt auf Unterstützung für gebrauchte Elektrofahrzeuge, dem Ausbau des urbanen Ladenetzes und erneuerten Massnahmen zur Erhöhung der Verkehrsverlagerung.
  5. Eine Strategie zur industriellen Dekarbonisierung mit Emissionsminderungspfaden für die Sub-Sektoren festlegen, spezifische Massnahmen zur Mobilisierung von Investitionen identifizieren und die Wettbewerbsfähigkeit stärken.
  6. Tiefgreifende Renovierungen von Wohngebäuden durch umfassende One-Stop-Shops, ein Zertifikatsprogramm und eine stärkere Ausrichtung auf die Bedürftigsten beschleunigen.
  7. Integrierte Planungs- und Vergütungsmechanismen im Energiesystem etablieren, die die Versorgungssicherheit während der mittleren Übergangsphase unterstützen.
  8. Auf eine proaktive Netzplanung umstellen, um das Wachstum erneuerbarer Erzeugung, der Elektrifizierung und verteilter Energieressourcen aufrechtzuerhalten.
  9. Eine Flexibilitäts-Roadmap ausarbeiten und technologieneutrale, marktbasierten Lösungen auf alle Hilfsdienste ausweiten.
  10. Einen technologieneutralen Kapazitätsmechanismus umsetzen, um die Versorgungssicherheit kosteneffizient zu gewährleisten.

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