Die meisten Leute sind überzeugt, die größten Stromverbraucher in der Küche längst identifiziert zu haben: Backofen, Kühl- und Gefrierschrank oder die Spülmaschine. Fachleute für Energie weisen jedoch auf ein Gerät (bzw. eine Geräteklasse) hin, das häufig unterschätzt wird und über das ganze Jahr gerechnet unbemerkt deutlich mehr Strom ziehen kann, als vielen klar ist.
Der wahre Stromfresser: oft klein, oft an – und meist vergessen
Im Fokus stehen vor allem Geräte, die Wärme oder heißes Wasser erzeugen und deshalb sehr regelmäßig laufen: Wasserkocher, Kaffeevollautomat, Kapselmaschine, elektrischer Boiler beziehungsweise Untertischgerät oder die kompakte Heißluftfritteuse auf der Arbeitsfläche. In zahlreichen Haushalten entpuppt sich dabei gerade der Kaffeevollautomat als echtes Energieloch – und nicht der große Backofen.
Die Erklärung ist naheliegend: Ein Backofen wird häufig nur ein- bis zweimal pro Woche genutzt. Ein Kaffeevollautomat oder eine Kapselmaschine hängt dagegen oft täglich mehrfach am Strom, bleibt nicht selten eingeschaltet, hält Wasser sowie Leitungen auf Temperatur und wartet zudem dauerhaft im Standby.
"Das unscheinbare Alltagsgerät, das Ihren Kaffee zubereitet oder Wasser bereitstellt, kann am Ende des Jahres mehr Strom verbrauchen als so manches „große“ Küchengerät."
Warum ausgerechnet Kaffeeautomaten so viel Energie verbrauchen
Bei aktuellen Kaffeevollautomaten wird Wasser aufgeheizt, die Brüheinheit warmgehalten und oft auch die Tassenablage temperiert. Viele lassen das Gerät vormittags einfach an, damit jederzeit spontan ein Espresso möglich ist. Genau dort entsteht der hohe Verbrauch.
- Hohe Leistung: Während des Aufheizens nehmen viele Automaten 1.400 bis 1.800 Watt auf.
- Lange Laufzeit: Nicht wenige Geräte bleiben über Stunden eingeschaltet, obwohl gerade niemand Kaffee zubereitet.
- Standby-Verbrauch: Display, Steuerungselektronik und teils auch Heizkomponenten benötigen im Bereitschaftsmodus kontinuierlich Strom.
Rechenbeispiel: Läuft ein Kaffeevollautomat täglich ungefähr zwei Stunden im eingeschalteten Zustand und verbleibt darüber hinaus im Standby, sind im Jahr 150 bis 250 Kilowattstunden möglich. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde entspricht das bis zu 75 Euro – allein für Kaffee.
Was in der Küche besonders viel Strom zieht – und warum
Wie viel Strom ein Küchengerät unterm Strich benötigt, hängt im Wesentlichen von zwei Punkten ab: von der Leistungsaufnahme und von der Dauer der Nutzung. Ein Backofen mit 2.000 Watt ist zwar leistungsstark, wird aber oft nur gelegentlich betrieben. Ein Gerät mit 800 Watt, das dafür fast den ganzen Tag eingeschaltet ist, kann im Jahresverlauf dennoch den höheren Verbrauch verursachen.
| Gerät | Typische Leistung | Nutzung (Beispiel) | Geschätzter Jahresverbrauch |
|---|---|---|---|
| Kaffeevollautomat | 1.400–1.800 W | 2 Std./Tag an + Standby | 150–250 kWh |
| Kapselmaschine | 1.200–1.500 W | Mehrere kurze Einsätze/Tag | 70–140 kWh |
| Wasserkocher | 1.800–2.200 W | 3–5 Mal/Tag | 60–120 kWh |
| Elektrischer Boiler / Untertischgerät | 1.500–2.000 W | Dauerhaft betriebsbereit | 200–400 kWh |
Als besonders heimtückisch gelten Untertisch-Boiler und kleine Warmwassergeräte in der Küche. Sie halten dauerhaft ein Wasserreservoir auf Temperatur – auch nachts. Über ein Jahr addiert sich das zu einer beachtlichen Energiemenge.
Der Standby-Effekt in der Küche
In vielen Küchen sind Anzeigen rund um die Uhr aktiv: am Kaffeeautomaten, an der Mikrowelle, am Kombigerät, am Radio oder am Smart-Speaker. Und jedes Watt im Standby summiert sich über die Zeit.
"Ein Gerät, das dauerhaft nur 5 Watt zieht, verbraucht im Jahr rund 44 Kilowattstunden – ganz ohne aktive Nutzung."
Wer mehrere Geräte permanent eingesteckt lässt, gibt damit unnötig Geld aus. Gerade ältere Kaffeevollautomaten und Kapselmaschinen liegen beim Standby-Verbrauch häufig spürbar über neueren Modellen mit Eco-Modus.
Wie Sie den Stromfresser identifizieren
Wenn Sie herausfinden möchten, welches Gerät Ihre Stromkosten in der Küche besonders stark treibt, hilft ein simples Messgerät, das man zwischen Steckdose und Gerät steckt. Solche Energiekostenmesser sind günstig und machen schnell sichtbar, welche Verbraucher aus dem Rahmen fallen.
Typisches Vorgehen:
- Jedes größere Küchengerät nacheinander für einen oder mehrere Tage über das Messgerät betreiben.
- Den Verbrauch in Kilowattstunden festhalten und auf ein Jahr hochrechnen.
- Anschließend mit dem aktuellen Strompreis multiplizieren – damit werden die tatsächlichen Kosten greifbar.
Viele staunen, wenn am Ende nicht der Kühlschrank, sondern der stets bereite Kaffeeautomat ganz oben auf der Stromfresser-Liste steht.
Konkrete Spartipps für Kaffeeautomat, Wasserkocher & Co.
Kaffeevollautomat richtig nutzen
- Das Gerät wirklich nur dann einschalten, wenn es genutzt wird.
- Die automatische Abschaltung aktivieren oder die Abschaltzeit deutlich verkürzen.
- Die Tassen nicht dauerhaft vorwärmen lassen.
- Regelmäßig entkalken – bei Verkalkung steigt der Energiebedarf.
Wer täglich nur ein bis zwei Tassen trinkt, ist mit einer einfachen Filtermaschine oder oft auch mit einer sparsamen Kapselmaschine besser beraten. In Büros oder in großen Familien kann ein Vollautomat weiterhin sinnvoll sein, sollte dann aber mit optimierten Einstellungen betrieben werden.
Wasserkocher effizient einsetzen
Ein Wasserkocher arbeitet zwar meist recht effizient, wird aber zur Kostenfalle, wenn er routinemäßig mit zu viel Wasser befüllt wird.
- Nur die Wassermenge einfüllen, die tatsächlich benötigt wird.
- Die Skala am Wasserkocher nutzen, um Überfüllung zu vermeiden.
- Das Gerät regelmäßig entkalken, weil Kalk die Heizleistung verschlechtert.
Wer für Tee immer wieder frisches Wasser aufkocht, zahlt mit jedem Aufheizen ein paar Cent extra. Thermoskannen können helfen, heißes Wasser länger verfügbar zu halten.
Warum der Blick auf kleine Geräte immer wichtiger wird
Mit steigenden Strompreisen rückt der Alltagsverbrauch stärker in den Mittelpunkt. Viele Haushalte haben Kühlschränke und Geschirrspüler bereits durch sparsamere Modelle ersetzt. Die versteckten Kostentreiber sitzen daher immer häufiger bei den Kleingeräten.
Gleichzeitig nimmt in modernen Küchen die Zahl der Helfer zu: Heißluftfritteuse, Multikocher, Reiskocher, Mixer mit Standby-Funktion, smarte Displays. Jedes zusätzliche Gerät bedeutet eine weitere Steckdose – und potenziell einen weiteren Dauerverbrauch.
Kombinierte Effekte: Wenn viele kleine Verbraucher teuer werden
Ein einzelner Kaffeeautomat wirkt für sich genommen möglicherweise noch nicht dramatisch. Zusammen mit Boiler, Mikrowelle, Heißluftfritteuse, Smart-Speaker und einer ständig beleuchteten Dunstabzugshaube kann daraus jedoch ein spürbarer Mehrverbrauch entstehen.
Wer den Jahresverbrauch senken möchte, kommt daher kaum daran vorbei, sämtliche Küchengeräte kritisch zu überprüfen. Viele Schritte gelingen ohne Komfortverlust: Zeitschaltsteckdosen, konsequentes Ausschalten, Eco-Modi und regelmäßige Wartung.
Praktische Orientierung: Wie viel ist noch normal?
Für einen durchschnittlichen Haushalt mit üblicher Küchenausstattung lassen sich grob folgende Richtwerte ansetzen (nur Küchenverbräuche):
- Einpersonenhaushalt: 300–500 kWh pro Jahr
- Zwei- bis Dreipersonenhaushalt: 500–800 kWh pro Jahr
- Familienhaushalt mit häufiger Nutzung: 800–1.200 kWh pro Jahr
Wer deutlich darüber liegt, sollte vor allem Warmwassergeräte und Kaffeeautomaten genauer unter die Lupe nehmen. Bereits kleine Anpassungen im Alltag können sich dann auf der Jahresabrechnung bemerkbar machen.
Begriffe wie „Kilowattstunde“ oder „Standby-Verbrauch“ klingen zunächst technisch, lassen sich aber einfach verstehen: Eine Kilowattstunde entspricht ungefähr der Energiemenge, die ein Gerät mit 1.000 Watt in einer Stunde verbraucht. Läuft ein Gerät mit 100 Watt zehn Stunden, ergibt das ebenfalls eine Kilowattstunde. Daran wird schnell deutlich, wie stark eine lange Einschaltzeit eines Geräts ins Gewicht fällt.
Wer sich die Zeit nimmt, über ein bis zwei Wochen Verbräuche zu messen und das eigene Nutzungsverhalten leicht zu verändern, kann allein in der Küche oft dreistellige Beträge pro Jahr einsparen – ohne auf frischen Kaffee verzichten zu müssen.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen