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Optimale Heizzeiten: So senken Sie Kosten und entlasten das Stromnetz

Mann stellt an einem Wandthermostat die Temperatur ein, daneben Tisch mit Uhr, Smartphone und dampfender Tasse.

Wenn Energie teurer wird und Kälteperioden häufiger zuschlagen, entscheidet nicht nur die eingestellte Temperatur über die Kosten – sondern auch, wann Sie heizen.

In Europa und Nordamerika schalten noch immer Millionen Menschen ihre Heizung aus Gewohnheit ein: morgens direkt nach dem Aufstehen oder sofort beim Nachhausekommen. Das wirkt zunächst vernünftig, kollidiert aber oft mit den nationalen Lastspitzen im Stromnetz – und kann die Rechnung unnötig nach oben treiben.

Warum der Zeitpunkt beim Heizen teurer sein kann als die Heizmenge

Viele Haushalte folgen einem ähnlichen Tagesmuster: Heizkörper zum Frühstück an, später am frühen Abend erneut. Genau das sehen Energieversorger in ihren Daten. Der Verbrauch steigt stark zwischen etwa 7:00 und 9:00 Uhr – und dann noch einmal zwischen 18:00 und 20:00 Uhr, wenn gekocht wird, geduscht wird und Licht sowie Geräte laufen.

Das Verlegen der Heizzeiten weg von den nationalen Spitzen kann Ihre Rechnung senken und den Druck auf ein ohnehin belastetes Netz verringern.

Wenn sehr viele Haushalte gleichzeitig einschalten, passiert im Wesentlichen zweierlei: Erstens ziehen die Preise an, weil die Nachfrage hoch bleibt. Zweitens muss der Netzbetreiber die Erzeugung laufend ausbalancieren – teils mit der Bitte um freiwillige Reduktionen oder durch das Aktivieren von Notfallmassnahmen, um Überlastungen zu vermeiden.

Dieses „alle gleichzeitig“-Verhalten wirkt sich im Winter besonders stark aus, vor allem bei Kältewellen mit wenig Wind oder Sonne. Dann müssen häufiger Gaskraftwerke hochfahren. Die CO₂-Emissionen steigen. Und die Wahrscheinlichkeit für gezielte Abschaltungen oder Warnmeldungen nimmt zu – besonders in Systemen, die ohnehin durch alternde Infrastruktur oder geopolitische Spannungen unter Druck stehen.

Die zwei Heizfenster, die mehr Sinn ergeben

Fachleute aus dem Energiebereich nennen inzwischen zwei tägliche Zeitfenster, die Komfort, Kosten und Netzstabilität besser ausbalancieren. Das Prinzip ist leicht: morgens etwas vor der grossen Welle aufwärmen – und abends die Wärme gleichmässig halten, statt kurz vor knapp „auf Anschlag“ zu heizen.

  • Morgens: etwa 6:30 bis 7:30 Uhr, also knapp vor dem nationalen Hauptanstieg.
  • Abends: etwa 17:30 bis 21:00 Uhr, mit einer konstanten, moderaten Temperatur statt grosser Sprünge.

Wenn Sie morgens ein wenig früher starten, läuft der Kessel oder die elektrische Heizung in einer Phase, in der das System noch mehr Luft hat. Die Räume sind aufgeheizt, bevor die Spitze erreicht wird – statt noch einen zusätzlichen Schub genau im ungünstigsten Moment zu erzeugen.

Wenn Sie etwas vor der Spitze heizen, kann Ihr Zuhause Wärme speichern, während das Netz noch vergleichsweise ruhig ist.

Abends ist eine längere, sanfte Heizphase von etwa 17:30 bis 21:00 Uhr häufig effizienter, als um 19:00 Uhr für kurze Zeit alles voll aufzudrehen. Wände, Böden und Möbel wirken als thermische Masse: Sie nehmen Wärme auf und geben sie über Stunden wieder ab. Dadurch können Sie den Thermostat oft um 0,5 °C senken und sich trotzdem behaglich fühlen.

Wer einen zeitabhängigen Tarif mit günstigeren Nebenzeiten nutzt, profitiert von dieser Verschiebung besonders. Sie umgehen die teuersten Preiszonen und halten den Wohnbereich genau dann angenehm warm, wenn Sie dort den Grossteil Ihrer Zeit verbringen.

So stellen Sie Ihre Heizgewohnheiten um, ohne den Alltag umzukrempeln

Die Uhrzeiten an der Heizung anzupassen klingt nach Aufwand – in der Praxis dauert es meist nur wenige Minuten. Viele moderne Thermostate und vernetzte Heizkörper lassen sich so programmieren, dass mehrere Zeitfenster pro Tag mit unterschiedlichen Solltemperaturen laufen.

Für viele Haushalte könnte ein einfacher Plan so aussehen:

Tageszeit Empfohlene Massnahme Zieltemperatur
6:30–7:30 Uhr Wohnbereiche vorwärmen 19–20°C (66–68°F)
Tagsüber (bei Abwesenheit) Absenken, aber nicht komplett ausschalten 16–17°C (60–63°F)
17:30–21:00 Uhr Gleichmässig in genutzten Räumen heizen 19–20°C (66–68°F)
Nacht In Schlafzimmern und wenig genutzten Räumen reduzieren 16–18°C (60–64°F)

Dieses Vorgehen verhindert harte Temperatursprünge. Die Anlage muss nicht jedes Mal aus einer „eiskalten Basis“ starten – was sonst lange Laufzeiten mit maximaler Leistung erzwingen würde.

Kleine Verhaltensänderungen, die sich summieren

Neben dem Timing beeinflussen ein paar Alltagsgewohnheiten die Kosten fast so stark wie der Energieträger.

  • Planen statt spontan regeln. Programmieren Sie das Morgenfenster von 6:30 bis 7:30 Uhr – auch wenn Sie erst um 7:00 Uhr aufstehen. Der Raum ist dann bereits warm.
  • Den Abend früher beginnen. Starten Sie gegen 17:30 Uhr, statt zu warten, bis es sich kalt anfühlt. Milde Wärme zu halten braucht weniger Energie als ein später, grosser Temperatursprung.
  • Grosse Thermostat-Sprünge vermeiden. Von 16°C direkt auf 23°C zu drehen erhöht den Verbrauch deutlich, ohne dass es schneller warm wird. Besser sind schrittweise Anpassungen.
  • Auf Räume konzentrieren, die Sie wirklich nutzen. Flure und Abstellbereiche können kühler bleiben. Viele heizen sie aus Routine – ohne spürbaren Komfortgewinn.

Ein gut eingestellter Thermostat kann über ein Jahr hinweg etwa 10–15% der Heizkosten sparen, ohne dass sich Ihre tägliche Routine stark verändert.

Warum smarte Technik und einfache Physik jetzt für Sie arbeiten

Hinter den empfohlenen Zeitfenstern steckt eine Kombination aus Physik und digitalen Hilfsmitteln. Selbst Gebäude mit schwächerer Dämmung besitzen eine gewisse thermische Trägheit: Ist erst einmal Wärme im Haus, geben Materialien sie nur langsam wieder ab. Wenn Sie diese „Pufferwirkung“ nutzen, lässt sich ein Teil des Verbrauchs aus den absoluten Spitzenzeiten herausziehen.

Vernetzte Thermostate gehen noch weiter. Viele Geräte lernen, wie schnell Ihr Zuhause aufheizt und auskühlt. An sehr kalten Tagen können sie den Kessel beispielsweise 20 oder 30 Minuten früher starten, damit die Zieltemperatur genau um 7:00 Uhr erreicht wird – nicht deutlich davor oder erst danach. Einige Modelle synchronisieren sich zudem mit Preissignalen am Energiemarkt und verschieben die Heizphasen automatisch, wenn Strom günstiger oder klimafreundlicher ist.

Netzbetreiber begrüssen diese Verschiebung meist stillschweigend. Jede Kilowattstunde, die statt um 7:30 Uhr schon um 6:45 Uhr anfällt, reduziert die Abhängigkeit von teuren Reservekraftwerken. Das senkt Systemkosten und kann langfristig die Preise für alle stabilisieren.

Praktische Szenarien: So sieht das im Alltag aus

Für Menschen mit klassischen Bürozeiten

Wer um 8:15 Uhr das Haus verlässt, kann ab 6:30 Uhr vorheizen. Der Hauptraum erreicht kurz vor dem Frühstück 19–20°C, danach sinkt die Temperatur ab 8:00 Uhr während der Abwesenheit auf 16–17°C.

Am Abend startet die Anlage gegen 17:30 Uhr erneut – also vor der Rückkehr um 18:30 Uhr. Bis dahin hat sich die Wärme in den Wohnbereichen verteilt. Die Heizkörper wechseln dann in eine Art Erhaltungsbetrieb: kurze Impulse statt dauerhaft voller Leistung.

Für Menschen im Homeoffice

Wer zu Hause arbeitet, befürchtet oft, bei solchen Strategien tagsüber zu frieren. In der Praxis helfen die gleichen Zeitfenster weiterhin – der Unterschied liegt vor allem in der Einstellung zur Mittagszeit. Statt bis auf 16°C abzusenken, sitzen viele mit warmer Kleidung bei 18–19°C noch komfortabel. So kann das System zwischen den beiden Hauptfenstern sanft pendeln.

Hier wird eine Zonierung besonders wertvoll. Wenn möglich, heizen Sie den Arbeitsbereich gezielt – und akzeptieren Sie während der Arbeitsstunden etwas kühlere Temperaturen in Räumen, die selten genutzt werden.

Zusätzliche Stellschrauben, um den Verbrauch zu senken – ohne Komfortverlust

Der richtige Heizzeitpunkt ist nur ein Teil. Daneben gibt es weitere Hebel, die wenig oder gar nichts kosten und sehr gut mit den zwei Kernfenstern zusammenspielen.

  • Zieltemperatur. Jedes Grad über 19–20°C erhöht den Verbrauch tendenziell um rund 7%. Viele Haushalte können um 0,5–1°C absenken, ohne einen grossen Unterschied zu spüren.
  • Grundlagen der Dämmung. Zugluft an Fenstern und Türen abdichten, nachts Rollläden schliessen oder dicke Vorhänge nutzen – all das hilft, die Wärme zu halten, die in den Phasen 6:30–7:30 Uhr und 17:30–21:00 Uhr aufgebaut wird.
  • Lüftungszeitpunkt. Frische Luft ist wichtig, aber 5–10 Minuten Lüften zur Mittagszeit statt in den kältesten Stunden verhindert, dass die morgens und abends aufgebaute Wärme unnötig entweicht.

Wer Zahlen mag, kann die Wirkung einer Verschiebung um 30 bis 60 Minuten mit einem einfachen Simulationstool oder einer Tabelle nachvollziehen. Wenn Sie Tarif, typische Temperaturen und Tagesablauf eintragen, lässt sich das Einsparpotenzial für einen ganzen Winter abschätzen. Viele stellen fest, dass allein ein durchdachtes Timing einen Teil der jüngsten Energiepreissteigerungen ausgleichen kann.

Ein weiterer Aspekt ist das Risiko: Wenn immer mehr Länder Heizen und Verkehr elektrifizieren, steigt der Druck auf die Winterspitzen. Haushalte, die ihre Routinen früh anpassen, sind besser vorbereitet auf künftige Tarife, die Flexibilität belohnen. In ersten Pilotprojekten erhalten Haushalte bereits Zahlungen oder Gutschriften, wenn sie in einer Spitzenstunde für eine Weile weniger abnehmen. Ein Heizsystem, das ohnehin um die zwei empfohlenen Zeitfenster herum eingestellt ist, lässt sich leicht in solche Anreize integrieren – und kann mit der Zeit sogar einen Wert liefern, statt nur Kosten zu verursachen.


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