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Temporäre CO2-Entnahme als Strategie gegen Methan-Erwärmung

Mann kniet auf einem Feld, hält Tablet und untersucht Pflanzen mit Windrädern und Wasser im Hintergrund.

Wenn es um das Senken von Treibhausgasen geht, steht meist Kohlendioxid (CO2) im Mittelpunkt. Dabei ist Methan der eigentliche Sprinter: Kurzfristig erwärmt es die Erde deutlich stärker, auch wenn es nicht so lange in der Atmosphäre bleibt wie CO2.

Genau an diesem Unterschied setzt die neue Forschung an. Der Ansatz ist geradlinig: Statt Projekte zur kurzlebigen CO2-Entnahme als mangelhaften Ersatz für CO2-Minderungen abzutun, soll man sie gezielt dort einsetzen, wo sie ihre Stärke haben – nämlich Methans kurze, aber heftige Erwärmungsspitze auszugleichen.

Methans einzigartige Klimaauswirkung

Methan und CO2 verhalten sich in der Atmosphäre grundlegend verschieden. Methan wirkt sofort mit mehr Wucht.

Es treibt einen grossen Teil der Erwärmung in den kommenden Jahren und Jahrzehnten an – und genau das ist relevant, wenn man an die nächsten paar Jahrzehnte denkt: Hitzewellen, Belastungen für Ernten, Korallenbleiche und all die Folgen, die Menschen heute und in naher Zukunft treffen.

Gleichzeitig nimmt Methans Einfluss mit der Zeit ab, weil es in der Atmosphäre chemisch abgebaut wird.

Bei CO2 ist es umgekehrt. Eine Tonne CO2 lässt die Temperaturen zunächst nicht so abrupt steigen, bleibt aber extrem lange wirksam. Klimatisch betrachtet ist das nahezu eine langfristige Verpflichtung.

Wer Erwärmung sowohl kurzfristig als auch langfristig steuern will, braucht daher Instrumente, die zur zeitlichen Form des jeweiligen Problems passen – statt Lösungen nach dem Prinzip „eine Grösse passt für alles“.

Das Problem mit „temporären“ Projekten

Naturbasierte CO2-Entnahme – etwa Aufforstung und Wiederaufforstung – steht häufig in der Kritik, und das nicht ohne Gründe.

Wenn ein Projekt nicht weiter gepflegt wird, abbrennt, abgeholzt wird oder schlicht endet, kann der zuvor aus der Luft entfernte Kohlenstoff wieder freigesetzt werden. Deshalb sprechen Kritiker von „temporär“ und halten es für zu riskant, so etwas als echte Klimaschutzmassnahme anzurechnen.

Die Forschenden bestreiten diese Schwäche nicht. Stattdessen drehen sie die Perspektive: Wenn man einen zeitlich begrenzten Klimatreiber ausgleichen will, ist eine zeitlich begrenzte Entnahme nicht der Fehler, sondern der Zweck.

Kurzfristige Entnahmen zu nutzen, um CO2 „zu neutralisieren“, kann zudem moralisch und praktisch in eine Schieflage führen.

Es entsteht möglicherweise ein vorübergehender Vorteil heute, während künftige Generationen mit den dauerhaften Folgen leben müssen, sobald der gespeicherte Kohlenstoff später wieder entweicht. Anders gesagt: Das Problem würde nach hinten weitergereicht.

Klimazeiten richtig aufeinander abstimmen

Der Vorschlag des Teams lautet, die Zeitachsen sauber zu synchronisieren: Methan verursacht im kurzen bis mittleren Zeitraum starke Erwärmung, danach lässt seine Wirkung nach. Entsprechend sollen CO2-Entnahmen eingesetzt werden, die ungefähr ebenso lange anhalten, um diese Erwärmung zu kontern.

Nach Auffassung der Forschenden kann eine gut konzipierte Entnahme, die rund 30 Jahre Bestand hat, die kurzlebige Temperaturwirkung von Methan überraschend gut nachbilden.

Im Vergleich zu permanenten CO2-Entnahmen sind 30-Jahres-Projekte meist günstiger, leichter zu überprüfen und verlangen niemandem ab, Speicherung auf Dauer zu garantieren.

Permanente Entnahmen – etwa bestimmte Ansätze der geologischen Speicherung – können teuer sein und stützen sich auf weitreichende wirtschaftliche Annahmen. Ausserdem erfordern sie eine Überwachung „für immer“, die sich in der Praxis nur schwer verbindlich zusichern lässt.

Eine Formel für den Methan-Ausgleich

Die zentrale Kennzahl der Studie lautet: Die Forschenden schätzen, dass 87 temporäre Entnahmen von je einer Tonne CO2 mit einer Laufzeit von 30 Jahren in ihrer Temperaturwirkung ungefähr 1 Tonne Methan-Emissionen entsprechen.

Das ist hilfreich, weil daraus aus einer bislang schwer greifbaren Debatte – Methan direkt senken oder ausgleichen? – eher ein Entscheidungsrahmen wird.

In manchen Bereichen ist es schwierig oder langsam, Methan zu reduzieren; die Landwirtschaft gilt hier als klassisches Beispiel. In solchen Fällen könnten temporäre Entnahmen als Brücke dienen: Sie würden kurzfristige Schäden verringern, während die Methan-Minderungen nach und nach hochgefahren werden.

Wie Natur dem Erreichen von Klimazielen helfen kann

Die Botschaft ist nicht „Methan nicht senken“. Der Punkt ist vielmehr, dass Klimaziele verlangen, Erwärmung über mehrere Zeithorizonte hinweg zu managen.

Die Forschenden argumentieren zudem, dass dieser Ansatz zusätzliche Finanzierung für naturbasierte Projekte mobilisieren könnte, weil er ihnen eine Rolle zuweist, die tatsächlich zu ihren Stärken passt.

„Meeting the goals of the Paris Agreement requires reducing temperatures in both the short and long term,“ sagte Ben Groom, ein Experte für Biodiversitätsökonomik an der University of Exeter.

„Rather than seeing the temporary nature of land-based carbon removals as a weakness, we show that it can be an advantage when used to counter methane’s short-lived warming.“

„This approach could unlock new climate finance for nature-based solutions and deliver immediate relief from temperature stress.“

Temporäre CO2-Entnahmen sind kein Wundermittel, das Kohlendioxid einfach aus der Bilanz radiert. Werden sie jedoch strategisch eingesetzt, können sie zu einem praktikablen Werkzeug werden – statt zu einem umstrittenen Schlupfloch.

Im Kern ist es eine Klimabilanzierung mit besserem Timing: Man gleicht die Erwärmung, die man kompensieren will, mit einer Massnahme aus, die ungefähr so lange wirkt wie das zugrunde liegende Problem.

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