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Elbit Systems setzt bei Drohnen auf den Native Parallel Hybrid-Antrieb

Person setzt Abdeckung auf modernes technisches Gerät auf einem Tisch in einer Werkstatt mit Drohne im Hintergrund.

Die heimische Rüstungsindustrie steht kurz davor, bei Militärdrohnen ein neues Antriebskonzept einzuführen: Ein System, das Verbrenner- und Elektroantrieb kombiniert, soll die Einsatzdauer deutlich verlängern und dabei Lärm sowie Signaturen gering halten.

Elbit Systems unterstützt einen neuen Ansatz für Drohnenantriebe

Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems rüstet seine unbemannten Luftfahrzeuge mit einem Hybridantrieb aus. Dahinter steht die Erwartung, dass eine Kombination aus Verbrennungs- und Elektroantrieb der Flotte spürbar mehr Ausdauer verschafft. Dazu hat das Unternehmen eine Vereinbarung mit dem lokalen Spezialisten Lowental Hybrid geschlossen, um dessen Native Parallel Hybrid-System auf ausgewählten Plattformen zu übernehmen.

Statt Triebwerk und Zelle grundlegend neu zu entwickeln, ist das Konzept darauf ausgelegt, bestehende Luftfahrzeugmuster mit möglichst wenigen strukturellen Eingriffen aufzurüsten. Für grosse Rüstungsanbieter ist genau das interessant: Bereits eingeführte Systeme könnten zusätzliche Leistung erhalten, ohne dass alles von Grund auf neu konstruiert werden muss.

„Das Native Parallel Hybrid soll die grosse Reichweite eines Verbrennungsmotors mit den leisen, signaturarmen Vorteilen des Elektroflugs in einem einzigen Paket verbinden.“

Welche konkreten Muster Elbit Systems umstellt, ist bislang nicht vollständig veröffentlicht. Allerdings umfasst das aktuelle Drohnenportfolio des Unternehmens bekannte Überwachungsplattformen, die bei mehreren Streitkräften weltweit im Einsatz sind. Das deutet darauf hin, dass die Technik vergleichsweise schnell den Weg aus Erprobung und Integrationsphase in operative Verbände finden könnte.

Was ein „echter Hybrid“ bei Drohnen bedeutet

Hybridantriebe aus dem Automobilbereich sind allgemein bekannt. Bei Drohnen ist der Begriff weniger etabliert – und wird teils für Systeme verwendet, die im Kern nur einen kleinen Generator zusätzlich zu Batterien mitführen. Lowental Hybrid bezeichnet seine Lösung hingegen als „echten Hybrid“, weil beide Energiequellen den Vortrieb direkt antreiben können: jeweils einzeln oder gemeinsam, und mit einem nahtlosen Wechsel während des Flugs.

Parallelhybrid statt „fliegender Generator“

Bei einer Parallelhybrid-Architektur sind Verbrennungsmotor und Elektromotor an denselben Antriebsstrang gekoppelt und teilen sich die Aufgabe, den Propeller zu drehen. Das unterscheidet sich von einem „Serienhybrid“, bei dem ein Kraftstoffmotor lediglich Strom erzeugt und den Propeller nicht direkt antreibt.

  • Verbrennungsmodus: Der Kraftstoffmotor liefert den Hauptschub und lädt die Batterien.
  • Elektromodus: Der Elektromotor übernimmt für leise Flugabschnitte.
  • Hybrid-Boost: Bei Bedarf arbeiten beide Quellen zusammen, etwa beim Start oder im Steigflug.

Ziel ist eine flexible Steuerung von Leistungsabgabe und Geräuschentwicklung. Auf dem Weg in den Einsatzraum kann der Verbrennungsmotor in effizienten Betriebsbereichen laufen. Beim Annähern an sensible Zonen lässt sich stärker auf elektrischen Vortrieb umschalten, um die akustische Präsenz zu verringern.

„Das Unternehmen gibt an, dass das Native Parallel Hybrid die Flugdauer im Vergleich zu einer rein elektrischen Konfiguration gleicher Grösse auf bis zu das Fünffache erhöhen kann.“

Fünfmal länger in der Luft

Die Ausdauer ist das zentrale Verkaufsargument. Rein elektrische Drohnen sind durch die Batteriekapazität begrenzt: Sie sind zwar leise, erreichen jedoch häufig nur relativ kurze Einsatzzeiten. Kraftstoffbetriebene Drohnen bleiben deutlich länger in der Luft, sind aber lauter und können akustisch sowie thermisch oft leichter aufgeklärt werden.

Mit der Kombination aus leichtem Verbrennungsmotor und elektrischem Antrieb soll das Native Parallel Hybrid die Einsatzdauer erhöhen, ohne die Vorteile niedriger Signaturen aufzugeben. Während der Motor läuft, werden die Batterien im Flug nachgeladen. Diese Energie steht dann für „leise“ Phasen zur Verfügung, in denen die Drohne möglichst unauffällig operieren soll.

Wie gross der Gewinn im konkreten Einsatz ausfällt, hängt vom Missionsprofil, der Treibstoffmenge und der Grösse der Zelle ab. Dennoch wäre bereits ein Faktor von zwei oder drei für Grenzüberwachung, maritime Aufklärung oder lange Überwachungsflüge über umkämpften Gebieten operativ sehr relevant.

Warum niedriger Lärm für ISR-Missionen zählt

Der Schwerpunkt liegt klar auf ISR (Intelligence, Surveillance and Reconnaissance) – also Aufklärung, Überwachung und Beobachtung. Viele ISR-Aufgaben verlangen, über oder nahe einem Zielgebiet über Stunden präsent zu sein, ohne Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Gerade in niedriger Höhe kann das Geräusch eines kleinen Verbrennungsmotors die Anwesenheit einer Drohne verraten. Elektromotoren sind dagegen deutlich leiser und lassen sich in urbaner Geräuschkulisse oder in bergigem Gelände oft schwerer orten.

„Längere Ausdauer, kombiniert mit geräuscharmen Abschnitten, ermöglicht es ISR-Drohnen, länger zu beobachten, früher anzukommen und später abzudrehen – bei gleichzeitig geringerer Entdeckungswahrscheinlichkeit.“

Das ist insbesondere für verdeckte Grenzoperationen, die Beobachtung im Antiterrorkontext und maritime Interdiction-Missionen bedeutsam, bei denen Geduld und Diskretion häufig wichtiger sind als Höchstgeschwindigkeit.

Minimale Zellenänderungen, maximales Upgrade-Potenzial

Ein Grund für das Interesse ist die Nachrüstbarkeit. Eine Drohne komplett neu zu entwickeln ist teuer und dauert lange. Militärische Betreiber bevorzugen Modernisierungen, die sich in bestehende Flotten, Logistikketten und Ausbildung integrieren lassen.

Das Native Parallel Hybrid ist so ausgelegt, dass es mit nur geringen strukturellen Anpassungen in vorhandene Zellen integriert werden kann. Praktisch kann das bedeuten, dass sich die Arbeiten auf Triebwerksbereich, Kabelbäume und die Leistungselektronik beziehungsweise das Energiemanagement beschränken – statt einer vollständigen Neukonstruktion.

Merkmal Nutzen für Betreiber
Parallelhybrid-Antrieb Flexibler Wechsel zwischen Kraftstoff- und Elektroantrieb im Flug
Batterieladung im Flug Längere Einsatzdauer ohne Zwischenstopps am Boden
Geräuscharmer Elektromodus Bessere Tarnung für ISR und verdeckte Operationen
Nachrüstfreundliches Design Geeignet für bestehende Drohnenflotten mit begrenztem Redesign

Für Verteidigungsministerien, die lange Beschaffungszyklen vermeiden wollen, ist eine Technik attraktiv, die sich in planmässigen Wartungsfenstern integrieren lässt.

Hybrid-Drohnen und der breitere Markt für unbemannte Systeme

Hybridantriebe für Drohnen sind nicht völlig neu. Start-ups und Forschungsteams testen seit mehreren Jahren Kombinationen aus Kraftstoff- und Elektroantrieb. Viele dieser Lösungen waren jedoch Sonderentwicklungen für Nischenfluggeräte oder experimentelle Prototypen, die sich nicht ohne Weiteres auf serienfähige Defence-Plattformen übertragen lassen.

Bemerkenswert an dieser Ankündigung ist die Verbindung eines Hybrid-Spezialisten mit einem grossen, stark exportorientierten Rüstungsanbieter. Wenn die Integration gelingt, könnten Kunden, die bereits Elbit-Drohnen betreiben, früh Hybridantrieb in grösserem Massstab einführen.

Das wiederum könnte Wettbewerber dazu bewegen, eigene Hybrid- oder wasserstoffbasierte Konzepte schneller voranzutreiben – mit Ausdauer, Kraftstoffeffizienz und reduzierten Signaturen als zentralen Verkaufsargumenten in einem dicht besetzten Drohnenmarkt.

Mögliche Risiken und technische Hürden

Hybridlösungen erhöhen die Komplexität. Zwei Energiequellen bedeuten mehr Bauteile, mehr potenzielle Ausfallstellen und anspruchsvollere Steuerungssoftware. Bei unbemannten Luftfahrzeugen, die weit ausserhalb direkter menschlicher Kontrolle operieren können, hat Zuverlässigkeit höchste Priorität.

Auch die Instandhaltung wird sich verändern. Bodenpersonal muss sowohl Verbrennungsmotoren als auch Hochvoltsysteme sicher warten können. Ersatzteilbestände werden voraussichtlich wachsen, und Aufsichtsbehörden könnten neue Nachweise der Lufttüchtigkeit verlangen – besonders bei Drohnen, die in gemeinsam genutztem Luftraum nahe zivilem Verkehr betrieben werden.

„Die Herausforderung für Ingenieurinnen und Ingenieure besteht darin, Ausdauer und Flexibilität zu gewinnen, ohne einen Wartungsaufwand zu schaffen, der diese Vorteile wieder aufzehrt.“

Wie das typische Drohnenmissionen verändern könnte

Man stelle sich eine lang andauernde Grenzpatrouille vor. Eine klassische kleine Drohne mit Verbrennungsmotor müsste möglicherweise mehrmals am Tag nachtanken und wäre vom Boden aus hörbar, wenn sie überfliegt. Eine Drohne mit Hybridantrieb könnte kraftstoffbasiert starten, zügig steigen und anschliessend beim Patrouillieren eines sensiblen Abschnitts in den Elektromodus wechseln.

In ruhigeren Phasen könnte sie teilweise elektrisch fliegen und die Batterien durch kurze, effiziente Laufzeiten des Motors wieder auffüllen. Dieses Muster verlängert die Gesamtflugzeit und gibt den Bedienern die Möglichkeit, situativ zwischen geringerem Geräusch und zusätzlicher Ladung abzuwägen.

Für maritime Einsätze ist Ausdauer besonders entscheidend. Schiffe bewegen sich langsam, und Schmuggler oder verdächtige Fahrzeuge können stundenlang in einem Gebiet verbleiben. Eine Drohne, die den ganzen Nachmittag und bis in die Nacht „auf Station“ bleiben kann und dabei periodisch in einen elektrischen, schwerer detektierbaren Betrieb wechselt, liefert Marine und Küstenwache ein dichteres, dauerhaftes Lagebild auf See.

Wichtige Begriffe und weitergehende Auswirkungen

Für alle, die die Entwicklung verfolgen, sollten einige Begriffe klar sein:

  • Ausdauer (Endurance): die maximale Zeit, die ein Luftfahrzeug mit einer bestimmten Treibstoff- und Batteriemenge in der Luft bleiben kann.
  • ISR: Intelligence, Surveillance and Reconnaissance; umfasst die Informationsgewinnung über Kameras, Radar, Signalsensorik und weitere Nutzlasten.
  • Akustische Signatur: das charakteristische Geräusch eines Luftfahrzeugs, über das es erkannt oder klassifiziert werden kann.

Hybridantriebe berühren ausserdem Umwelt- und Kostenthemen. Wenn Kraftstoff sparsamer genutzt und elektrische Leistung wo möglich eingesetzt wird, lassen sich Emissionen und Treibstoffkosten über die Lebensdauer einer Drohnenflotte senken. Für Streitkräfte mit vielen tausend Flugstunden pro Jahr können selbst moderate Effizienzgewinne spürbare Einsparungen bedeuten.

Auch zivile Anwendungen dürften folgen. Dieselben Eigenschaften, die bei ISR gefragt sind – lange Ausdauer, niedriger Lärm und flexibles Energiemanagement – sind für Pipeline-Inspektionen, Wildtiermonitoring, Katastrophenhilfe und Landwirtschaft im grossen Massstab attraktiv. Sobald militärische Systeme ausgereift sind und die Stückzahlen steigen, könnten vereinfachte Varianten im zivilen Markt auftauchen und die Erwartungen daran verändern, wie lange kleine und mittlere Drohnen in der Luft bleiben können.


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