Vor wenigen Wochen wurde bekannt, dass der künftige französische Nuklearflugzeugträger den Namen „France Libre“ tragen wird. Inzwischen haben Vertreter der Marine nationale durchblicken lassen, dass das Schiff in seinem Trägerluftflügel auch Betankungsdrohnen mitführen soll. Damit ließen sich Abläufe effizienter gestalten, die heute noch erfordern, dass ein Kampfflugzeug mit einem Narang-Pod startet, um ein anderes Luftfahrzeug während Überwachungs- oder Kampfeinsätzen in der Luft zu versorgen. Diese neue Stoßrichtung erwähnte Admiral Nicolas Vaujour, der derzeit als Chef des Generalstabs der Marine nationale fungiert, in einem Interview mit einer lokalen Publikation.
France Libre und der geplante Einsatz unbemannter Systeme
Aus den Aussagen des Admirals: „Wie die Charles de Gaulle wird (Anm. d. Red.: der nukleare Flugzeugträger France Libre) selbstverständlich bemannte Luftfahrzeuge an Bord haben. Aber auch Drohnen, um seinen Geleitschutz zu schützen, Missionen zur Luftüberwachung über See durchzuführen und den Rafale sowie andere Luftfahrzeugtypen in der Luft zu betanken. Außerdem wird er Kampfdrohnen verfügen, um die gegnerische Luftverteidigung zu durchdringen.“
Konkrete Angaben dazu, welche unbemannten Systeme dafür ausgewählt werden könnten, machte Vaujour bislang nicht. In Frankreich haben jedoch bereits erste Spekulationen über mögliche Kandidaten begonnen.
MQ-25 Stingray als Betankungsdrohne: Optionen und Zeitachsen
Als wahrscheinlichster Kandidat für die Rolle der Betankungsdrohne gilt derzeit der MQ-25 Stingray, den Boeing gemeinsam mit der US Navy vorantreibt. Nach heutigem Stand ist es in der westlichen Welt das einzige System dieser Art, das sich in einem ausreichend fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befindet, um mittelfristig tatsächlich eingeführt werden zu können.
Für längere Zeithorizonte wird zudem die Entwicklung einer neuen Betankungsdrohne diskutiert, deren Auslegung bei Deutschland und Spanien liegt und die durch eine finanzielle Unterstützung der Europäischen Kommission im Rahmen von PESCO abgesichert werden soll.
Teilweise wird sogar über die mögliche Beschaffung von mehr als einem System spekuliert. Das würde bedeuten, dass der MQ-25 kurzfristig als Lösung dienen könnte, um die Fähigkeit zur Luftbetankung per Drohne früh bereitzustellen, während parallel auf ein neues europäisches Modell gewartet wird. Vaujour betonte in diesem Zusammenhang: „Die Ausstattung wird sich im Laufe der Zeit und abhängig vom technologischen Fortschritt verändern“, was auf einen Ansatz hindeutet, der beim neuen Nuklearflugzeugträger gezielt Flexibilität für unterschiedliche Plattformtypen in den Mittelpunkt stellt.
Verzögerungen beim Boeing MQ-25 und Folgen für die Planung
Dabei ist zu berücksichtigen, dass auch der von Boeing entwickelte MQ-25 aktuell mit Terminverschiebungen zu kämpfen hat, die seine Einführung in der US Navy wie ursprünglich vorgesehen erschweren. Wie im vergangenen Dezember berichtet wurde, konnte die Plattform die für 2025 geplante Zahl an Flügen nicht erreichen. Als Gründe wurden unter anderem der Government Shutdown genannt, der mehrere laufende Programme zeitweise ausgebremst hat, sowie ein größerer Streik in Boeing-Werken im US-Bundesstaat Illinois.
Das führte zu spürbaren Verzögerungen, obwohl das Entwicklungsteam bereits strukturelle Tests und Triebwerksprüfungen am Boden abgeschlossen hatte und zudem eine für den Flugbetrieb zertifizierte Software installiert worden war.
Abschließend, mit Blick auf die ebenfalls von der französischen Seite angesprochenen Drohnen zur maritimen Überwachung als Bestandteil der künftigen Fähigkeiten der France Libre, lässt sich ergänzen: Die heimische Industrie arbeitet an mindestens einem potenziellen Kandidaten für diese Aufgabe. Wie lokale Fachmedien berichten, haben Naval Group und Turgis Gaillard vor Kurzem eine Partnerschaft geschlossen, um eine Marine-Variante des unbemannten Systems Aarok zu entwickeln. Offizielle Ankündigungen über eine staatliche Finanzierung des Projekts gab es bislang jedoch nicht, was darauf hindeutet, dass sich das Vorhaben noch in einer sehr frühen Phase befindet.
Bilder dienen nur zur Illustration
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