„Wir nehmen den Umweg nach Hause.“ Wer hat das nicht schon gedacht – und dann, sobald es ans tatsächliche Planen geht, entnervt aufgegeben und das Ziel doch einfach ins Navi getippt?
Klar: Bei den meisten Navigationssystemen lässt sich einstellen, dass Autobahnen gemieden werden. Wer das aber schon einmal ausprobiert hat, weiss auch, dass die vorgeschlagene Strecke dann mitunter … sagen wir: fragwürdig ausfallen kann. Genau hier will nun ein neuer, chatbasierter KI-Roadtrip-Planer ansetzen.
Der KI-Roadtrip-Planer New Roads und sein Versprechen
Das Tool heisst New Roads und soll individuelle Fahrstrecken erstellen – abhängig vom eigenen Auto, den bevorzugten Strassentypen und dem verfügbaren Zeitfenster. Dazu kommen Vorschläge für Hotels, Mittagsstopps sowie sogar Fähren- und Zugpassagen entlang der Route. Klingt erst einmal nach einer ziemlich runden Idee.
Planung per Chat: So arbeitet New Roads
Das Prinzip wirkt laut Beschreibung ähnlich wie die ChatGPT-App, die viele ohnehin auf dem Smartphone haben: Man „unterhält“ sich mit dem System, es sammelt Anforderungen und baut daraus einen komplett massgeschneiderten Reiseplan, den man anschliessend weiter anpassen kann.
Praktisch: Für Unterkünfte, Essensstopps oder notwendige Transporte sollen direkt Buchungslinks mitgeliefert werden – im Grunde wie ein persönliches Reisebüro im Chatfenster. Ist die Route fertig, lässt sie sich nach Google Maps exportieren, um sie anschliessend in CarPlay oder Android Auto zu laden.
Das ergibt auch deshalb Sinn, weil nicht jede spektakuläre Strecke zu jedem Auto passt. Der Hardknott Pass im Lake District – eine der fiesesten und steilsten Strassen in Grossbritannien – ist eher das Revier eines kleinen Hot Hatch. Im Supercar möchte man dort womöglich lieber eine Alternative wählen. Das hier ist TopGear, wir sprechen aus äh … Erfahrung. Schauder.
Ausserdem heisst es, die Plattform verbessere sich laufend: Community-Feedback soll dazu beitragen, künftigen Nutzerinnen und Nutzern noch passendere Strecken und Stopps vorzuschlagen.
Praxistest mit New Roads: London–Schweiz im Porsche 911 (996)
Behaupten kann man viel – also haben wir New Roads mit einer Route gefüttert, die wir tatsächlich gefahren sind: letztes Jahr von London in die Schweiz und wieder zurück, im Porsche 911 C4S der Baureihe 996. Für diese Reise hatten wir damals tatsächlich Stunden in die Planung gesteckt. Die Frage: Kommt New Roads auf Vergleichbares?
Als Erstes haben wir die Eckdaten genannt: Start in London, Ziel Schweiz und retour, insgesamt etwa eine Woche. Pro Tag sollten maximal vier Stunden Fahrzeit anfallen, unterwegs wollten wir ein paar interessante Städte mitnehmen – und in der Schweiz ausdrücklich berühmte Alpenpässe einbauen.
Danach ging es in die erwartete Fragerunde: Welches Auto genau? Welche „Stimmung“ sollte die Tour haben? Welche Art Hotel passt? Nachdem das System Pässe wie Susten, Grimsel und Furka ins Spiel brachte und zudem Orte wie Andermatt, Luzern und Interlaken als Stopps vorschlug – alles Stationen, die wir auf unserer Tour ebenfalls hatten – spuckte es am Ende einen Reiseplan für acht Tage aus.
Für ungefähr fünf Minuten Aufwand: ordentlich. Ganz reibungslos lief es aber nicht. Bei den Schweizer Pässen hakte es bei der Routenführung, und die KI versuchte immer wieder, uns darum herumzuleiten – vermutlich, weil diese Pässe aktuell gesperrt sind (obwohl wir ausdrücklich gesagt hatten, wir wollten im Juni fahren).
Zudem sah der Plan vor, die Etappe von Interlaken nach London am Stück zu fahren. Das liegt klar jenseits der erbetenen vier Stunden pro Tag.
Wo New Roads schon überzeugt – und wo Vorsicht bleibt
Unterm Strich wirkt New Roads wie ein sehr brauchbarer Einstieg, um einen Roadtrip aufzusetzen – nur sollte man die Vorschläge nicht blind übernehmen, wie bei KI-Resultaten generell. Derzeit deckt die Plattform das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich, Spanien, Italien, die Schweiz und Belgien ab; weitere Länder weltweit sollen folgen. Die Ausrede, nicht doch mal den Umweg nach Hause zu nehmen, wird damit jedenfalls dünner.
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