Ob man es nun Werwolf, Mafia, Blood On The Clocktower oder das mittlerweile allgegenwärtige Among Us nennt: Spiele mit verdeckter Identität und einem versteckten Impostor gehören aus gutem Grund zum festen Inventar spielbegeisterter Partys. Aber was passiert, wenn man diesen Partyklassiker konsequent in den Einzelspielerbereich überführt?
Vom Partyspiel zur Einzelspieler-Detektivgeschichte
Zwar gibt es bereits Beispiele wie Gnosia und Raging Loop, doch Among Us Story: On Guard setzt im Genre der sozialen Deduktion einen deutlich anderen Ton. In meiner Demo auf dem Summer Game Fest 2026 konnte ich mich (wortwörtlich) mit einer Switch 2 hinsetzen und ausprobieren, wie Innersloth einen Among Us-Kriminalfall als Mordrätsel aufzieht.
Demo auf der Switch 2 beim Summer Game Fest 2026
Auch wenn die Welt klar nach Among Us aussieht, fühlte sich der von mir gespielte Abschnitt nicht wie eine Einzelspieler-Kopie des Partyspiels an. Stattdessen erinnerte das Ganze eher an eine Hercule-Poirot-artige Detektivserie, nur eben im Among Us-Universum. Nach einem kurzen Einstieg, der die Demo als eine Art Virtual-Reality-Ausflug rahmte, steckte ich in den bohnenkleinen Schuhen der Wache.
In Among Us Story tragen alle Crewmitglieder rollenbezogene Bezeichnungen: Kapitän, Doktor, Ingenieur und Koch.
Kurz darauf findet die Wache den Koch tot vor – genau in dem Moment, als mehrere Crewmitglieder den Raum betreten. Als Impostor hingestellt, steht die Wache bereits kurz davor, aus der Luftschleuse befördert zu werden, bis eine plötzliche Wendung ihr die Flucht durch die Lüftungsschächte ermöglicht. Ab da bleibt nur ein Ausweg: Spuren suchen und den Impostor entlarven, der sich in den eigenen Reihen verbirgt.
Humor, Aufgaben und Ermittlungen in Among Us Story: On Guard
Von der ersten Minute an stand für mich der Humor von Among Us Story: On Guard im Mittelpunkt. Das Spiel wirkt charmant und clever, mit vielen Anspielungen für Among Us-Spielende (darunter etliche Kartenwisch-Gags) und passenden, charaktertreuen Momenten für die verschiedenen Crewmitglieder. Die abgebrühte Detektiv-Wache, die vor sich hin brummt, Lüftungsschächte seien „der Flur für Kriminelle“, hat mich wirklich mehrmals laut lachen lassen. Und eine Szene, in der ich den Ingenieur in einem runden Raum verfolgen musste, während er sich mit der Wache stritt, war eine wunderbar gelungene, interaktive Slapstick-Einlage.
Die eigentliche Ermittlungsarbeit ist dabei angenehm geradlinig: Es gab stets klare Hinweise auf den nächsten Anhaltspunkt, und die meisten Rätsel ließen sich ohne endlose Zwischenschritte lösen. Nicht, dass es dadurch zu leicht wirkte – eher so, als würden die Fälle mich nicht unnötig lange grübeln lassen.
Zwischendurch tauchen außerdem die haptischen Anleihen der Among Us-Aufgaben auf: von Bohnen in eine Kaffeemaschine schaufeln und sich einen Kaffee machen bis hin zu – ja – Karten wischen.
Als jemand, der mit Detektivgeschichten von Encyclopedia Brown bis Columbo groß geworden ist, gefällt mir sehr, in welche Richtung Among Us Story: On Guard steuert. Ich kann mir gut vorstellen, dass es ein Spiel ist, das Eltern zusammen mit jüngeren Kindern spielen können – weil gemeinsames Kombinieren genauso Spaß macht wie die comicartigen Eskapaden der kleinen, bohnenförmigen Crewmitglieder. Der Streaming-Nebenerwerb des Doktors, die Spinnereien des Ingenieurs und der Noir-Detektiv-Innensprech der Wache haben bei mir sofort das Gefühl ausgelöst, dass On Guard in einer Familie für Lacher sorgt und zugleich genug Spannung bietet, um bei der Einzelspieler-Among Us-Geschichte dranzubleiben.
Am Ende zeigt sich für mich: Among Us funktioniert als Einzelspieler-Erzählung erstaunlich gut, wenn die Umsetzung stimmt – und Innersloth scheint für On Guard das richtige Team gefunden zu haben. Aus bloßer Neugier wurde bei mir echtes Interesse, denn das könnte sowohl für langjährige Among Us-Fans als auch für Familien ein Treffer sein.
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