Der künftige Betankungsdrohne MQ-25A Stingray der US Navy hat ihren zweiten Testflug erfolgreich absolviert. Das teilte Boeing Defence in einer offiziellen Mitteilung mit. Geflogen wurde erneut vom Flughafen MidAmerica St. Louis in Mascoutah (Illinois). Dieser Schritt untermauert den Fortschritt eines Programms, das sich über Jahre durch Verzögerungen hingezogen hat, und bringt die US Navy näher an die operative Einführung des ersten unbemannten Luftfahrzeugs zur Luftbetankung in der Geschichte der US-Marinefliegerei. Die Navy bezeichnet das System als den „Späher“, der den Weg für die künftigen Carrier Air Wings ebnen soll.
Autonomer Flug mit UCAMS und Bodenstation MD-5
Laut Boeing verlief der Flug autonom: Bediener von Boeing und der US Navy übermittelten Kommandos von der Bodenstation MD-5 des Unmanned Carrier Aviation Mission Control System (UCAMS). In diesem Rahmen steuerte das System eigenständig Antrieb, Subsysteme, Navigation sowie die Flugregelung, die erforderlich sind, um die Flugphasen mit ausgefahrenem und eingefahrenem Fahrwerk durchzuführen.
Landesequenzen und neue Software für die Erweiterung des Flugbereichs
Zusätzlich umfasste der Flug drei Landungszyklen sowie ein neues Softwarepaket. Dieses enthielt Verbesserungen im Vehicle-Management-System und im Missionsrechner und ist darauf ausgelegt, die kommenden Flüge zur Erweiterung des Flugbereichs zu unterstützen.
Einordnung: Zweiter Flug nach dem Erstflug am 25. April 2026
Die Umstände dieses zweiten Flugs verleihen dem Meilenstein zusätzlich Gewicht. Wie bereits dokumentiert, fand der Erstflug der MQ-25A am 25. April 2026 statt, nachdem sich der Start der Flugerprobung über das gesamte Jahr 2025 hinweg mehrfach verschoben hatte. Ende 2025 bestätigte die US Navy, dass sich der Erstflug auf Anfang 2026 verlagert, nachdem das Team eine verlängerte Reihe von Bodentests und Systemzertifizierungen abgeschlossen hatte. Vor dem Erstflug absolvierte das Programm unter anderem Strukturtests, erste Triebwerksläufe, die Zertifizierung der Flugsoftware sowie autonome Rollversuche vom Boeing-Produktionsstandort in Mascoutah bis zur Startbahn des Flughafens MidAmerica.
Programmgeschichte und Verzögerungen des MQ-25A
Die Verzögerungshistorie der MQ-25A ist umfangreich. Das Vorhaben entwickelte sich aus früheren Arbeiten der US Navy zur unbemannten trägergestützten Luftfahrt, darunter der Demonstrator X-47B und das später eingestellte UCLASS-Konzept, bevor der Dienst die Anforderung im Programm CBARS auf einen trägergestützten Tanker reduzierte. 2018 erhielt Boeing einen Vertrag über 805 Millionen US-Dollar für vier Engineering-and-Manufacturing-Development-Luftfahrzeuge. Das unternehmenseigene Testflugzeug T1 flog erstmals im September 2019 und demonstrierte anschließend die Luftbetankung mit einer F/A-18 Super Hornet, einer E-2D Hawkeye und einer F-35C.
Die anfängliche Einsatzfähigkeit (Initial Operational Capability) - ursprünglich für 2025 vorgesehen - wurde laut Haushaltsdokumenten der US Navy auf 2029 verschoben. Auch der erste trägergestützte Einsatz wird nicht mehr kurzfristig erwartet, da es Verzögerungen bei der Verfügbarkeit von Flugzeugträgern sowie in der Produktion gibt.
Fortschritte 2026: Milestone C, LRIP und Beschaffungslose
Trotz dieser Vorgeschichte wurden 2026 greifbare Fortschritte gemeldet. Im Mai gab die US Navy bekannt, dass die MQ-25A die Milestone-C-Freigabe des Pentagons erhalten hat und damit offiziell in die Phase der Low-Rate Initial Production (LRIP) übergeht. Ein Vertrag für Los 1 über drei Luftfahrzeuge wird für den Sommer 2026 erwartet und umfasst Preisoptionen für Los 2 (3 Luftfahrzeuge) sowie Los 3 (5 Luftfahrzeuge).
Das Gesamtprogramm der MQ-25A wird auf 15,9 Milliarden US-Dollar geschätzt; die Kosten je Luftfahrzeug liegen laut einem im Juni 2025 veröffentlichten Bericht des Government Accountability Office (GAO) bei ungefähr 209 Millionen US-Dollar.
Wie Zona Militar ebenfalls berichtete, wurde die MQ-25A Ende Juni erstmals auf dem nuklear angetriebenen Flugzeugträger USS Nimitz (CVN-68) eingeschifft, was die künftige Rolle des Systems in den Strike Groups der US Navy visuell vorwegnimmt.
Einsatzkonzept, Reichweite und Integration auf Flugzeugträgern
Die MQ-25A ist dafür ausgelegt, bis zu 500 Seemeilen vom Flugzeugträger entfernt zu operieren und dabei etwa 15.000 Pfund Treibstoff zu transportieren. Damit soll die F/A-18 Super Hornet von der Tankeraufgabe entlastet werden, die derzeit zwischen 20% und 30% der Einsätze dieser Flotte beansprucht. Von den Abmessungen her entspricht das Luftfahrzeug in der Länge etwa einer F/A-18 und in der Spannweite einer E-2 Hawkeye, was die Grössenordnung der Integrationsaufgabe an Bord unterstreicht. Die Flugzeugträger USS George H.W. Bush, USS Carl Vinson und USS Theodore Roosevelt werden bereits so umgerüstet, dass sie das UCAMS-Bodensteuerungssystem aufnehmen können, mit dem die eingeschifften Stingray betrieben werden.
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