Jedes Jahr veröffentlicht bp einen Bericht, der die Lage auf den Energiemärkten auswertet: den „bp Statistical Review of World Energy“. Wie zu erwarten, zeigt die nun veröffentlichte Ausgabe zum Jahr 2020 den „dramatischen Einfluss, den die globale Pandemie auf die Energiemärkte hatte“.
Sowohl der Primärenergieverbrauch als auch die energiebedingten Kohlenstoffemissionen verzeichneten den schnellsten Rückgang seit dem Zweiten Weltkrieg (1939–1945).
Erneuerbare Energien setzten ihren kräftigen Wachstumspfad fort. Besonders Wind- und Solarenergie erzielten ihren jeweils höchsten jährlichen Zuwachs.
Wichtigste globale Highlights
Im Jahr 2020 sank der Primärenergieverbrauch um 4,5% – der stärkste Einbruch seit 1945 (dem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg endete). Auslöser dieses Rückgangs war vor allem Erdöl, das rund drei Viertel des Netto-Rückgangs ausmachte.
Die Erdgaspreise fielen auf mehrjährige Tiefststände. Dennoch nahm der Anteil von Gas an der Primärenergie weiter zu und erreichte den Rekordwert von 24.7%.
Wind-, Solar- und Wasserkraft legten trotz der global sinkenden Energienachfrage zu. Die Wind- und Solarkapazität stieg 2020 auf enorme 238 GW – mehr als 50% über jedem anderen Zeitraum in der Geschichte.
Auf Länderebene verzeichneten die Vereinigten Staaten von Amerika, Indien und Russland die grössten Rückgänge ihres Energieverbrauchs seit Beginn der Aufzeichnungen. China meldete dagegen sein stärkstes Wachstum (2,1%) und gehörte damit zu den wenigen Ländern, in denen die Energienachfrage im vergangenen Jahr zunahm.
Die Kohlenstoffemissionen aus dem Energieverbrauch gingen 2020 um 6% zurück – der grösste Rückgang seit 1945.
In Europa
Auch in Europa spiegelte sich die Pandemie deutlich im Energieverbrauch wider: Der Primärenergieverbrauch sank 2020 um 8,5% und fiel damit auf den niedrigsten Stand seit 1984. Entsprechend gingen auch die CO₂-Emissionen aus dem Energieverbrauch um 13% zurück – der niedrigste Wert seit mindestens 1965.
Auch der Verbrauch von Öl und Gas nahm ab, und zwar um 14% beziehungsweise 3%. Den stärksten Rückgang verzeichnete jedoch Kohle (minus 19%): Ihr Anteil fiel auf 11% und lag damit erstmals unter dem Anteil der Erneuerbaren, der bei 13% lag.
Weitere Highlights
ERDÖL:
- Der durchschnittliche Ölpreis (Brent) lag 2020 bei 41,84 US-Dollar pro Barrel – der niedrigste Stand seit 2004.
- Die weltweite Ölnachfrage sank um 9,3%. Die grössten Rückgänge entfielen auf die Vereinigten Staaten von Amerika (-2,3 Millionen b/d), Europa (-1,5 Millionen b/d) und Indien (-480 000 b/d). China war nahezu das einzige Land, in dem der Verbrauch anstieg (+220,000 b/d).
- Auch die Raffinerieauslastung verzeichnete mit einem Minus von 8,3 Prozentpunkten einen Rekordrückgang und lag bei 73,9% – dem niedrigsten Stand seit 1985.
ERDGAS:
- Die Erdgaspreise fielen auf mehrjährige Tiefstände: Der durchschnittliche Preis des US-amerikanischen Henry Hub lag 2020 bei $1,99/mmBtu – der niedrigste Stand seit 1995. Gleichzeitig erreichten die Erdgaspreise in Asien (Japan Korea Marker) den niedrigsten Wert überhaupt und markierten ein Rekordtief ($4,39/mmBtu).
- Trotzdem stieg der Anteil von Erdgas an der Primärenergie weiter und erreichte einen Rekordwert von 24,7%.
- Das Erdgasangebot wuchs um 4 bcm bzw. 0,6% – und damit unter dem durchschnittlichen Wachstum der letzten 10 Jahre von 6,8%. In den USA nahm das Erdgasangebot um 14 bcm (29%) zu; das wurde teilweise durch Rückgänge in den meisten anderen Regionen wie Europa und Afrika ausgeglichen.
KOHLE:
- Der Kohleverbrauch sank um 6,2 Exajoule (EJ) bzw. 4.2%. Treiber waren vor allem die Rückgänge in den USA (-2,1 EJ) und in Indien (-1,1 EJ). In der OECD fiel der Kohleverbrauch auf den historisch niedrigsten Stand gemäss den von bp erhobenen Daten, die bis 1965 zurückreichen.
- China und Malaysia waren auffällige Ausnahmen: Dort stieg der Kohleverbrauch um 0,5 EJ beziehungsweise 0,2 EJ.
ERNEUERBARE, WASSERKRAFT UND KERNENERGIE:
- Erneuerbare Energien (einschliesslich biofuels, jedoch ohne Wasserkraft) wuchsen um 9,7%. Das lag unter dem durchschnittlichen Wachstum der letzten 10 Jahre (13,4% pro Jahr), entsprach aber beim absoluten Energiezuwachs (2,9 EJ) in etwa den Zuwächsen in den Jahren 2017, 2018 und 2019.
- Solarstrom stieg auf Rekordwerte von 1,3 EJ (20%). Den grössten Beitrag zum Wachstum der Erneuerbaren lieferte jedoch die Windkraft (1,5 EJ).
- Die installierte Solarkapazität nahm um 127 GW zu, während Wind um 111 GW wuchs – nahezu eine Verdopplung des zuvor höchsten jemals verzeichneten Zuwachses.
- Den grössten Beitrag zum Wachstum der Erneuerbaren leistete China (1,0 EJ), gefolgt von den USA (0,4 EJ). Auf regionaler Ebene trug Europa am stärksten zum Wachstum dieses Sektors bei (0,7 EJ).
STROM:
- Die Stromerzeugung ging um 0,9% zurück – ein stärkerer Rückgang als 2009 (-0,5%). 2009 war gemäss den bp-Daten (die 1985 beginnen) das einzige Jahr, in dem die Stromnachfrage gesunken ist.
- Der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung stieg von 10,3% auf 11,7%. Der Kohleanteil sank um 1,3 Prozentpunkte auf 35,1% – ein weiterer neuer Tiefstand in den bp-Aufzeichnungen.
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