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GoPro Mission 1 Pro im Test: Neuanfang statt reine Actioncam

Person hält Action-Kamera, weitere Kamera und Zubehör liegen auf Felsen mit Berglandschaft im Hintergrund.

GoPro vollzieht eine drastische Kurskorrektur. Mit der Reihe Mission 1 will der Pionier der Actioncam nicht länger zusehen, wie die Konkurrenz den von ihm geschaffenen Markt abräumt: Laut Jiuqian Consulting fiel der weltweite Anteil von 84 % im Jahr 2022 auf 18 % in den ersten drei Quartalen 2025.

Die Mission-1-Familie soll die Bildqualität einer Profi-Kamera, die Handlichkeit eines Kompaktgeräts und die Widerstandsfähigkeit einer Actioncam zusammenbringen – ein hoher Anspruch. Innerhalb der neuen Linie positioniert GoPro die Mission 1 Pro direkt unter der kommenden Mission 1 ILS mit Wechselobjektiven, die „später im Jahr“ erscheinen soll.

Mit einem Preis von 699 Euro (oder 599 Euro für GoPro-Abonnentinnen und -Abonnenten) war unser Interesse schnell geweckt. Wir haben die Kamera getestet, um herauszufinden, ob hier tatsächlich ein neuer Gang eingelegt wird – oder ob es am Ende doch eher Marketing mit viel heißer Luft ist.

Drei grosse Veränderungen

Das Konzept der Mission 1 Pro ruht auf drei zentralen Bausteinen: dem GP3-Chip, einem neuen, besonders leistungsfähigen Sensor und dem Akku Enduro 2. Zusammengenommen erklären sie, warum GoPro nun von einer „Kinokamera“ spricht und nicht mehr nur von einer klassischen Actioncam. Hier die Details.

GP3: doppelte Rechenleistung

Der GP3 ist GoPros neuer eigener Prozessor und löst den betagten GP2 ab, der 2021 mit der Hero 10 Black eingeführt wurde. Fünf Jahre sind in der Tech-Welt eine sehr lange Zeit. Nachdem GoPro durch das Industrie-Debakel rund um die Karma-Drohne unter Druck geriet, fehlten schlicht die Ressourcen, den Chip früher zu erneuern.

Laut GoPro verarbeitet der GP3 doppelt so viele Pixel wie der GP2. Ohne diese Leistungsreserve gäbe es weder 8K mit 60 B/s noch 4K mit 240 B/s – und schon gar keinen Burst-Modus mit 1.080p bei 960 B/s. Ausserdem steuert der Chip die 13 intelligenten Aufnahmemodi (Motivverfolgung, Tauchen, Schwachlicht usw.), die abhängig von Licht, Bewegung und erkannten Gesichtern automatisch passende Einstellungen wählen sollen.

Jenseits der nackten Daten verändert der GP3 auch die Bedienung spürbar. Häufig genutzte Funktionen (etwa Bittiefe, Verschlusszeit oder die HyperSmooth-Stabilisierung) hat GoPro in einem einzigen Menüpunkt „Bild“ gebündelt. In der Praxis sind diese Einstellungen damit in hektischen Situationen deutlich schneller erreichbar. Die Benutzeroberfläche bleibt im Grundgefühl nah an den GoPro-Black-Modellen – für uns ein Plus.

Zum Schluss übernimmt der GP3 auch Energiemanagement und Thermiksteuerung, zwei Felder, bei denen GoPro lange Schwächen zeigte. Darauf kommen wir später zurück.

1\"-Sensor: der eigentliche Sprung

Die GoPro-HERO-Modelle arbeiteten bislang mit kleineren Sensoren (bei der HERO13 etwa 1/1,9\"): Die Mission 1 Pro setzt dagegen auf einen 1\"-Sensor mit 50 Megapixeln. Er ist grösser als der 1/1,15\" der DJI Osmo Action 6 und auch grösser als der 1/1,3\" der Insta360 Ace Pro 2. Entsprechend nimmt er in 8K dank 1,6-µm-Pixels (gegenüber rund 1,2 µm bei der Konkurrenz, laut GoPro 77 % mehr Licht) sichtbar mehr Licht auf. In 4K kommt Pixel-Binning zum Einsatz, wie man es inzwischen von Smartphones kennt: Je 2×2 Pixel werden zu einer Einheit zusammengefasst, was einem effektiven Pixelmass von 3,2 µm entspricht.

Bei Open Gate wird die volle Sensorhöhe genutzt, statt oben und unten wie beim klassischen 16:9 zu beschneiden. Die Kamera zeichnet im nativen Format auf – nahezu quadratisch im Verhältnis 4:3 mit 7.680 × 5.760 Pixeln. Das ermöglicht nachträgliches Reframing mit viel Spielraum: Querformat für YouTube oder Hochformat für TikTok/Instagram, ohne dass die Auflösung sofort in die Knie geht. Aus dem Video lassen sich sogar direkt 44-Megapixel-Fotos extrahieren.

Bei gutem Licht liefert die Mission 1 Pro beeindruckende Ergebnisse und rückt in eine Bildanmutung, die in dieser Kompaktklasse bislang kaum zu sehen war. GoPro hat erkennbar am Objektiv gearbeitet – die Schärfe (Piqué) der Clips profitiert davon. Zur Wahl stehen drei Bildwinkel: „SuperView“ (extrem weit, aber mit Verzerrung), „Wide“ (mit korrigierter Verzeichnung) und „Linear“ (geradlinig ohne Krümmung).

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Das 10-Bit-Farbprofil GP-Log2 zusammen mit 240 Mbit/s sorgt für natürliche, glaubwürdige Farben und ein angenehm feines Rauschen. In der Postproduktion lassen sich sowohl Spitzlichter als auch Schatten ohne grosse Mühe zurückholen.

Nach Sonnenuntergang lässt die Euphorie etwas nach. Ja, die Mission 1 Pro schlägt dank des grösseren Sensors die DJI Action 6 – aber aus stockdunkler Nacht wird auch hier kein Tag. Stärken zeigt sie eher in dunkleren, aber noch restlich beleuchteten Szenen wie in der Dämmerung: Dann kann sie die ISO weiter anheben und die Verschlusszeit stärker verlängern als viele Konkurrenten. Der spezielle Modus „Schwachlicht“ hilft nachts ein Stück weit, allerdings können dunkle Bereiche sichtbar stärker rauschen.

Enduro 2: endlich eine überzeugende Laufzeit

Wer schon einmal eine GoPro genutzt hat, kennt oft zwei Ärgernisse gleichzeitig: nach nicht einmal einer Stunde ein leerer Akku – und im ungünstigsten Moment ein Hitzestopp (selbst erlebt). Der neue Enduro-2-Akku mit 2.150 mAh (13 % mehr Kapazität) und die Effizienz des in 5 nm gefertigten GP3 sollen genau diese beiden Punkte entschärfen.

Auf dem Datenblatt verspricht GoPro über 5 Stunden bei 1.080p 30 B/s (+ 70 % gegenüber der HERO13), über 3 Stunden bei 4K 30 B/s (+ 80 %) und rund 1 h 30 bei 8K 30 B/s.

Unsere Messungen liegen auf Linie mit den Herstellerangaben: Wir kamen auf etwas mehr als 3 Stunden bei 4K 30 B/s und auf etwas mehr als eine Stunde bei 8K 60 B/s. Auch beim Laden geht es deutlich schneller: 0 bis 100 % in 61 Minuten (bei der HERO13 sind es 100 Minuten). Ein praktisches Detail: Enduro-2-Akkus und die Akkus der HERO13 Black sind wechselseitig kompatibel. Bereits vorhandene Akkus lassen sich also weiterverwenden – nur die Laufzeit fällt je nach Modell natürlich unterschiedlich aus.

Beim Thema Wärmeentwicklung ist das die beste GoPro, die wir bislang gesehen haben. Grenzen zeigen sich vor allem in 8K 60 B/s und 4K 240 B/s: GoPro nennt hier ungefähr 35 Minuten im Stand ohne Luftstrom. Bei einer Velotour in der drückenden Hitze Anfang Juni liefen wir über 40 Minuten. Der Fahrtwind – auch wenn er warm war – dürfte die Temperaturregelung spürbar unterstützt haben.

Mission 1 Pro Edition Grip: gute Idee, aber nicht zu Ende gedacht

Für diesen Test stellte uns GoPro die Mission 1 Pro in der Edition Grip zur Verfügung. Sie kostet 779 Euro und enthält neben der Kamera einen Griff im Stil einer „Kompaktkamera“. Der Effekt ist sofort spürbar: Aus dem typischen GoPro-Würfel wird ein Einhandgerät, bei dem der Zeigefinger auf einem echten Auslöser liegt – der Griff bringt einen eigenen mechanischen Auslösemechanismus mit.

Das Zubehör zielt klar auf Street-Fotografie und Reisen und setzt bewusst auf Vielseitigkeit: Der Handgriff lässt sich abnehmen, sodass nur noch der Metallrahmen um die Kamera bleibt. In dieser Konfiguration gibt es einen Zubehörschuh, ein 1/4\"-Gewinde sowie Unterstützung für die magnetische GoPro-Halterung.

Verarbeitung und Haptik sind hochwertig, die Ergonomie wirkt durchdacht – die Nutzung kippt deutlich in Richtung „Fotokamera“. Wer unentschlossen ist, bekommt eine weitere gute Nachricht: Der Griff wird auch separat angeboten und funktioniert mit allen Kameras der Reihe; die Edition Grip ist letztlich vor allem ein preislicher Bundle-Vorteil.

Der Griff ist allerdings rein mechanisch: kein Akku im Inneren und keine USB-C-Durchleitung. Dadurch lässt sich die Kamera nicht laden, ohne den Grip jedes Mal abzubauen – das untergräbt den „ziehen und auslösen“-Gedanken, den der Griff eigentlich verkörpern soll. Mit einem durchgeschleiften Ladeport oder sogar einer eigenen Zelle hätte GoPro das Konzept konsequent zu Ende gebracht.

So bleibt die Edition Grip ein spannender Ansatz, dem ausgerechnet das entscheidende Detail fehlt.

Mission 1 Pro und HERO13 Black: verwandt, aber nicht identisch

Die Mission-1-Reihe ersetzt die HERO Black nicht, sondern ergänzt sie um eine eigene Kategorie. Die HERO13 Black bleibt auf Action-Sport und POV-Aufnahmen optimiert – und das in einem kompakten Gehäuse mit rund 159 Gramm. Die Mission 1 Pro hingegen will „kompaktes Kino“ liefern, und der Unterschied entscheidet sich vor allem beim Bild. Das Duo aus 1\"-50-Megapixel-Sensor plus GP3 liegt klar vor dem 1/1,9\"-27-Megapixel-Sensor plus GP2. Entsprechend fällt auch die Video-Prioritätenliste aus: 8K60 und Open Gate 8K30 auf der einen Seite, maximal 5,3K60 auf der anderen. Bei Zeitlupe geht es ebenfalls weiter nach oben: 4K240 und 1.080p960 gegenüber 4K120 und 720p400. Da ist der Abstand offensichtlich.

Die restlichen Unterschiede kurz zusammengefasst: Die Mission ist ohne Gehäuse bis 20 Meter wasserdicht statt 10, fotografiert mit 50 Megapixeln statt 27 und verspricht mit Schnellladen mehr als 5 Stunden Laufzeit – während die HERO13 in der Praxis eher bei etwa 2 h 30 landet.

Natürlich hat das seinen Preis – finanziell und beim Gewicht. Mit 207 Gramm ist die Mission 1 Pro schwerer und auch dicker als die HERO13. Und sie liegt preislich deutlich höher: 250 Euro Aufpreis.

Gemeinsam ist beiden Kameras vieles aus GoPros eigenem Ökosystem: HyperSmooth-Stabilisierung mit Horizontsperre, HLG HDR-Video, 10-Bit-Farbe, Timecode-Synchronisation, Dual-Screen-Setup und das magnetische Befestigungssystem. Ein erfreuliches Extra bleibt die Akku-Kompatibilität: Enduro-Akkus funktionieren in beiden Richtungen.

Unsere Meinung zur GoPro Mission 1 Pro

Die Mission 1 Pro ist das Herzstück von GoPros Gegenangriff, nachdem die Marke ihre lange Dominanz im Actioncam-Segment Stück für Stück verloren hat – und nun lieber über das Premium-Segment zurückkommen will, statt über den Preis zu kämpfen. Die Strategie wirkt stimmig: Mit 1\"-Sensor, GP3 und Enduro 2 erreicht die Kamera die beste Bildqualität, die wir je in dieser Grössenklasse von GoPro gesehen haben. Low-Light ist endlich ernstzunehmend, auch wenn sie in vollständiger Dunkelheit keine Wunder vollbringt. Und die Akkulaufzeit ist so gut, dass sie GoPros alten Ruf in diesem Punkt klar widerlegt.

Diese technische Klasse bringt aber zwangsläufig Nachteile mit: Die Mission 1 Pro ist grösser und schwerer als die HERO-Modelle. Und der Grip, den wir zum Test erhielten, ist eine sehr gute Idee, die mit einem eigenen Akku und einer USB-C-Durchführung deutlich gewinnen würde, weil das Laden dann ohne Demontage möglich wäre.

Die Mission 1 Pro ist keine HERO: Sie richtet sich an anspruchsvolle Videografen, die mit Open Gate 8K und einem Log-Profil tatsächlich arbeiten. Für lockere Wochenendclips auf dem Mountainbike ist die HERO13 Black die passendere Wahl. Wer dagegen eine Taschenkamera sucht, die beim Filmen wirklich „wie eine grosse“ wirkt, bekommt mit der Mission 1 Pro GoPros stärkstes Argument seit Jahren.

GoPro Mission 1 Pro

ab 699 €

Gesamtwertung: 8.6

Bewertungen

  • Bildqualität: 9.0/10
  • Akkulaufzeit & thermisches Management: 8.5/10
  • Ergonomie & Verarbeitung: 9.0/10
  • Preis-Leistungs-Verhältnis: 8.0/10

Das gefällt uns

  • Die Bildqualität
  • Open Gate 8K mit enormem Spielraum fürs Reframing
  • Der Griff der Edition Grip
  • Akkulaufzeit und Thermik endlich auf dem Niveau, das man erwartet

Das gefällt uns weniger

  • Der Preis ist etwas hoch (aber nachvollziehbar)
  • Im Grip fehlen Akku und USB-C

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