Wer seine Heizzeiten geschickt plant, kann spürbar Kosten reduzieren.
Viele Haushalte drehen die Heizkörper reflexartig morgens nach dem Aufstehen und abends nach Feierabend hoch. Das wirkt zwar naheliegend, fällt aber genau in die Stunden, in denen das Stromnetz besonders stark beansprucht wird – und in denen die Preise häufig anziehen. Energieexpertinnen und -experten erklären, wie sich mit zwei bewusst gesetzten Zeitfenstern der Verbrauch senken lässt, ohne dass es im Wohnzimmer ungemütlich wird.
Warum der falsche Heiz-Moment die Rechnung treibt
Bei vielen läuft es nach demselben Schema: Wärme an, sobald der Tag startet, und erneut aufdrehen, wenn man nach Hause kommt. Genau in diesen Zeiträumen steigt der Bedarf an Strom und Wärme in Deutschland und europaweit besonders deutlich.
Zwischen etwa 7 und 9 Uhr am Morgen und abends zwischen 18 und 20 Uhr sind Kaffeemaschinen, Boiler und Herdplatten im Dauereinsatz – ebenso elektrische Heizungen und Wärmepumpen. In dieser Phase klettern sowohl der Gesamtverbrauch als auch die Belastung des Netzes deutlich.
"Wer zur Hauptlastzeit heizt, zahlt oft mehr und belastet das Netz zusätzlich – ohne echten Komfortgewinn."
Für Verbraucherinnen und Verbraucher hat das gleich zwei Nachteile:
- höhere Strompreise, weil die Nachfrage kurzfristig stark ansteigt
- ein größeres Risiko für Engpässe im Stromnetz in sehr kalten Winterphasen
Netzbetreiber müssen dann zusätzliche Reserven aktivieren, flexible Verbraucher zeitweise drosseln oder Kampagnen starten, um den Verbrauch zu senken. Würden mehr Haushalte ihre Heizzeiten verlagern, ließe sich diese Situation deutlich abmildern.
Die zwei besten Zeitfenster für sparsames Heizen
Es zählt nicht nur, wie warm es in der Wohnung wird, sondern vor allem, wann die Wärme erzeugt wird. Darum nennen Fachleute zwei klar umrissene Zeiträume, in denen elektrische Heizungen, Wärmepumpen oder Nachtspeicher besonders sinnvoll und effizient laufen können.
Morgens: kurz vor dem typischen Verbrauchs-Peak starten
Statt erst gegen sieben Uhr im Bad am Thermostat zu drehen, soll die Wohnung etwas früher auf Temperatur kommen. Empfohlen wird dieses Zeitfenster:
- zwischen 6:30 und 7:30 Uhr
In dieser Stunde kann die Heizung die Räume auf ein angenehmes Niveau bringen, bevor die große Lastspitze voll einsetzt. Zu Beginn dieses Zeitfensters ist das Netz häufig noch weniger ausgelastet, und der Verbrauch verteilt sich gleichmäßiger.
"Wer die Wohnung schon leicht vor dem Aufstehen aufheizt, nutzt eine ruhigere Netzphase – und steht trotzdem nicht im Kalten auf."
Entscheidend ist außerdem, nicht zu hoch zu zielen. Als Orientierung gelten etwa:
- Wohnzimmer: rund 20 Grad
- Badezimmer am Morgen etwas höher, etwa 22 Grad
- Schlafzimmer: oft reichen 16 bis 18 Grad völlig aus
Abends: länger, aber nicht zu spät heizen
Das zweite günstige Zeitfenster liegt am späten Nachmittag und frühen Abend:
- zwischen 17:30 und 21 Uhr
Der Gedanke: Am frühen Abend bekommt die Wohnung einen gleichmäßigen Wärmeschub, während die meisten zu Hause sind, kochen, fernsehen oder mit den Kindern spielen. Statt kurz vor dem Schlafengehen noch einmal stark hochzudrehen, läuft die Heizung über mehrere Stunden auf moderatem Niveau.
So bleibt der Wohn- und Essbereich behaglich, und die Wände nehmen einen Teil der Wärme auf. In vielen gut gedämmten Wohnungen genügt das, damit es bis in die Nacht hinein nicht deutlich abkühlt.
Heizverhalten anpassen: so klappt der Wechsel im Alltag
Um von ungünstigen auf günstigere Heizzeiten umzustellen, braucht es weder Ingenieurswissen noch besondere Technikleidenschaft. Meist reichen wenige, einfache Anpassungen.
Thermostat und Zeitschaltfunktion richtig nutzen
Zeitprogramme gehören bei modernen Thermostaten und Heizungsreglern fast immer zur Standardausstattung. Wer sie aktiviert, muss abends nicht mehr von Hand nachregeln. Praktisch ist zum Beispiel:
- Heizphase morgens von 6:30 bis 7:30 Uhr fest einplanen
- Heizphase abends von etwa 17:30 bis 21:00 Uhr programmieren
- für die Nacht eine Absenktemperatur eintragen, meist 16 bis 18 Grad
"Mit einem gut eingestellten Thermostat lassen sich laut Energieexperten bis zu rund 15 Prozent Heizkosten im Jahr sparen."
Fehlen programmierbare Thermostate noch, lässt sich oft mit preiswerten Nachrüstmodellen starten. Funk- oder Smart-Home-Thermostate bieten zusätzlich die Steuerung per App – etwa, wenn man spontan später nach Hause kommt.
Sprunghafte Temperaturwechsel vermeiden
Ein häufiger Irrtum: tagsüber komplett ausstellen und abends dann mit voller Leistung hochfahren. Das kann mehr Strom kosten, als die Temperatur nur leicht zu senken.
Effizienter ist ein sanfter Ansatz:
- tagsüber bei Abwesenheit nur um wenige Grad absenken, nicht vollständig ausschalten
- große Temperatursprünge von mehr als 3–4 Grad in kurzer Zeit vermeiden
- bei Wärmepumpen besonders auf einen gleichmäßigen Betrieb achten
Am effizientesten arbeitet das System, wenn es länger auf mittlerem Niveau läuft, statt ständig zwischen Vollgas und Stillstand zu wechseln.
Wo sich noch schnell Energie und Geld sparen lässt
Die richtige Uhrzeit ist nur eine Stellschraube. Wer sein Heizverhalten insgesamt betrachtet, kann die Einsparwirkung zusätzlich erhöhen.
Unnötig warme Räume konsequent meiden
Niemand verbringt stundenlang Zeit im Flur oder im Gästezimmer – trotzdem werden diese Bereiche häufig fast auf Wohnzimmerniveau beheizt. Das erhöht den Verbrauch, bringt aber wenig Komfort.
- Schlafzimmer: eher kühl halten, das ist oft sogar gesünder
- Korridore, Abstellräume und Gästezimmer nur leicht temperieren
- Türen zu wenig genutzten Räumen weitgehend geschlossen halten
Wer sich überwiegend in einem bestimmten Wohnbereich aufhält, kann dort gezielt etwas mehr Wärme einstellen und andere Zonen reduzieren. Dadurch fließt die Energie in die tatsächlich genutzte Fläche.
Lüften ohne Wärme zu verschenken
Auch das Lüftungsverhalten macht einen Unterschied. Fenster dauerhaft auf Kipp sorgen dafür, dass Heizenergie buchstäblich nach draußen entweicht. Besser ist:
- mehrmals täglich Stoßlüften für fünf bis zehn Minuten
- währenddessen Thermostate kurz herunterdrehen
- nach dem Lüften wieder auf die normale Temperatur gehen
So bleiben Wände und Möbel warm, die Luft wird ausgetauscht, und die Heizung muss weniger nachheizen.
Was hinter den „teuren Stunden“ steckt
Viele Tarife orientieren sich an der Auslastung des Stromnetzes. Bei hoher Nachfrage werden teurere Kraftwerke zugeschaltet – und das spiegelt sich mittelfristig in den Strompreisen wider. Wer regelmäßig genau dann heizt, wenn ohnehin alle Geräte laufen, trägt stärker zu diesen Kosten bei.
Vor allem bei variablen oder zeitvariablen Tarifen lohnt sich ein Blick auf die Verbrauchskurven. Einige Energieanbieter bieten inzwischen Apps oder Onlineportale, die zeigen, zu welchen Stunden Strom günstiger ist. Mit programmierbaren Heizsystemen lässt sich das gezielt nutzen.
Praxisbeispiele, die den Unterschied zeigen
Ein Einpersonenhaushalt in einer kleinen Wohnung mit elektrischen Direktheizungen kann durch das Verschieben der Heizzeiten und eine moderate Temperaturabsenkung schnell zweistellige Eurobeträge pro Monat einsparen. In einem Einfamilienhaus mit Wärmepumpe fallen die Einsparungen über die gesamte Saison gerechnet oft noch stärker aus.
Wer zusätzlich einfache Schritte ergänzt – etwa Dichtungen an Fenstern erneuern, Rollläden nachts schließen, Heizkörper nicht durch Möbel verdecken – verstärkt den Effekt weiter. Die Kombination aus passenden Zeitfenstern, korrekt programmierten Thermostaten und einer leicht reduzierten Raumtemperatur bringt meist deutlich mehr als der Kauf teurer Einzelgeräte.
Wichtig ist: Es geht nicht darum, zu frieren. Entscheidend ist, Wärme dann zu erzeugen, wenn sie effizient und kostengünstig bereitgestellt werden kann – und nicht automatisch zu den ungünstigsten Stunden des Tages. Wer dieses Prinzip übernimmt und die Heizung zumindest grob auf die beiden empfohlenen Zeitfenster ausrichtet, senkt die Rechnung spürbar und entlastet zugleich das Stromnetz im Winter.
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