Strompreise steigen, draussen sinken die Temperaturen – und viele drehen die Heizung sofort hoch, sobald es ungemütlich wird. Genau das sorgt in zahlreichen Haushalten für unnötig hohe Kosten. Fachleute für Energie weisen darauf hin, dass nicht allein die eingestellte Temperatur entscheidend ist, sondern ebenso der konkrete Zeitpunkt, zu dem geheizt wird. Wer zwei bestimmte Zeitfenster gezielt nutzt, kann den Verbrauch spürbar drücken, ohne im Wohnzimmer zu frieren.
Warum der typische Heizrhythmus so teuer ist
In vielen Familien läuft es nach einem scheinbar vernünftigen Muster: morgens nach dem Aufstehen wird aufgedreht, abends nach der Arbeit noch einmal. Schliesslich ist es dann besonders kalt – so die Annahme. Aus Sicht des Stromsystems sind genau diese Stunden jedoch die ungünstigsten.
Vor allem zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 18 und 20 Uhr schiesst die Nachfrage nach oben. In dieser Zeit laufen parallel Kaffeemaschinen, Herd und Backofen, Warmwasserbereiter heizen, E-Autos laden an der Wallbox – und zusätzlich ziehen Heizkörper oder elektrische Heizsysteme Leistung.
„Wenn Millionen Haushalte zeitgleich heizen, wird Strom besonders teuer – und das Netz besonders belastet.“
Diese gleichzeitig auftretende Lastspitze führt zu zwei spürbaren Effekten:
- Die eigene Rechnung fällt höher aus, weil in solchen Hochlastphasen häufig teurere Kraftwerke zur Deckung einspringen müssen.
- Die Wahrscheinlichkeit von Engpässen im Netz steigt; Versorger reagieren dann eher mit Warnungen oder Sparappellen.
Wer seine Heizgewohnheiten zeitlich etwas verschiebt, hilft damit sowohl dem eigenen Budget als auch der Stabilität des Gesamtsystems.
Die zwei besten Zeitfenster zum Heizen
Statt über den Tag hinweg unkoordiniert zu heizen, raten Energieberater dazu, die Wärme gezielt in zwei Phasen zu legen. Als besonders sinnvoll gelten diese Zeiträume:
- Morgens zwischen 6:30 und 7:30 Uhr: noch vor dem üblichen Nachfrageschub, damit die Wohnung bereits warm ist, bevor landesweit viele Geräte gleichzeitig Strom ziehen.
- Abends etwa zwischen 17:30 und 21 Uhr: der Start liegt leicht vor dem Feierabend-Peak; anschliessend wird eine moderate Wohlfühltemperatur gehalten, solange man zu Hause aktiv ist.
Der Gedanke dahinter: Wenn die Heizung etwas früher anlauft, erreicht der Wohnraum behagliche Werte, bevor das Netz in der maximalen Belastung steckt. In gut gedämmten Räumen bleibt diese Wärme zudem länger erhalten, sodass nicht ständig mit hoher Leistung nachgelegt werden muss.
„Leicht vor dem Peak heizen bedeutet: gleicher Komfort, weniger Risiko für Preisspitzen und Netzprobleme.“
Mit diesem zeitlichen „Vorschub“ arbeitet die Anlage in einer ruhigeren Phase. Der Verbrauch wird gleichmässiger verteilt, und teure Sekunden- oder Minutenpreise in kritischen Zeitfenstern lassen sich eher umgehen – besonders wichtig bei dynamischen Stromtarifen oder zeitabhängigen Preis-Modellen.
Heizverhalten clever anpassen – so geht’s im Alltag
Viele vermuten, dafür müssten sie ihren gesamten Tagesablauf umstellen. Meist genügt es jedoch, die Regelung konsequenter zu nutzen. Moderne Thermostate – einschliesslich smarter Heizkörperthermostate – bringen die nötigen Funktionen dafür bereits mit.
Heizzeiten richtig programmieren
Mit einem programmierbaren Thermostat lässt sich in wenigen Minuten ein passendes Profil anlegen. Eine praxisnahe Grundeinstellung ist:
- 6:30–7:30 Uhr: Wohnbereiche auf Zieltemperatur bringen, etwa 20–21 Grad im Wohnzimmer, 18–19 Grad in der Küche.
- Ab 7:30 Uhr: die Temperatur leicht reduzieren, wenn alle zur Arbeit oder in die Schule gehen.
- 17:30–21:00 Uhr: wieder auf Wohlfühltemperatur erhöhen und anschliessend Schritt für Schritt absenken.
- Nacht: Wohnräume auf 16–18 Grad herunterregeln, das Schlafzimmer in der Regel noch etwas kühler.
Bei den meisten Geräten kann man Zeitpläne je Wochentag einstellen. Wer im Homeoffice ist, plant Werktage sinnvollerweise anders als Wochenenden – dort kann sich ein längeres, aber moderates Heizfenster über den Tag lohnen.
Brutale Temperaturwechsel vermeiden
Ein häufiger Fehlgriff: tagsüber komplett abdrehen und am Abend dann auf 24 Grad hochziehen. Das wirkt zwar kurzfristig wie eine schnelle Lösung, kostet aber deutlich mehr Energie.
„Konstante, leicht abgesenkte Temperaturen sind sparsamer als tägliche Auf-und-ab-Orgien am Thermostat.“
Bei grossen Temperatursprüngen muss die Heizung nicht nur die Luft erwärmen, sondern auch Wände, Böden und Möbel wieder „auf Temperatur“ bringen. Diese Bauteile speichern Kälte und schlucken Energie. Wer stattdessen ein moderates Niveau hält, verhindert genau diesen aufwendigen Aufheizvorgang.
Wo sich noch heimliche Heizkosten verstecken
Der richtige Zeitpunkt ist ein grosser Hebel, aber nicht die einzige Stellschraube. Bestimmte Alltagsgewohnheiten treiben die Kosten oft unbemerkt nach oben.
Unnötig warme Räume
In vielen Wohnungen wird durchgehend alles beheizt – selbst Räume, die kaum genutzt werden. Hier steckt oft sofort umsetzbares Sparpotenzial:
- Flure benötigen selten mehr als 17 Grad.
- Schlafzimmer sind meist mit 16–18 Grad ausreichend versorgt.
- Abstellkammern, Gästezimmer oder selten genutzte Arbeitszimmer dürfen noch kühler bleiben.
Hilfreich ist ein einfaches Raumkonzept: Welche Zimmer werden wirklich wann genutzt? Danach kann man Thermostate passend einstellen oder Heizkörper zeitweise weiter zudrehen.
Typische Komfortfallen
Einige Beispiele, die in der Praxis häufig übersehen werden:
| Situation | Problem | Bessere Lösung |
|---|---|---|
| Fenster kippen bei laufender Heizung | Die Wärme entweicht dauerhaft, der Heizkörper läuft kontinuierlich nach | Besser: 5–10 Minuten Stosslüften mit ganz geöffnetem Fenster, Heizung kurz runterdrehen |
| Sofa vor dem Heizkörper | Die Luft kann schlechter zirkulieren, Wärme staut sich hinter dem Möbel, der Raum wird langsamer warm | Mindestens 20–30 cm Abstand einplanen, Luft zirkulieren lassen |
| Bad dauerhaft auf 24 Grad | Hoher Energieeinsatz für nur wenige Minuten echten Komfort | Bad per Zeitprogramm kurz vor Nutzung anheben, danach wieder absenken |
Wieviel lässt sich realistisch sparen?
Wer nicht spontan am Thermostat „nach Gefühl“ dreht, sondern die Heizung gezielt steuert, kann laut Energieberatern bis zu etwa 15 Prozent beim Verbrauch einsparen. In einem Einfamilienhaus mittlerer Grösse mit elektrischem Heizen oder Wärmepumpe können das pro Jahr schnell dreistellige Beträge ausmachen.
Besonders wirksam sind dabei:
- geplante Heizzeiten statt Dauerbetrieb,
- eine leichte Absenkung in Zeiten ohne Nutzung,
- das Meiden der Hauptlastzeiten,
- niedrigere Temperaturen in selten genutzten Räumen.
Wer zusätzlich auf Dämmung, dicht schliessende Fenster und sauber entlüftete Heizkörper achtet, verstärkt den Effekt. Gerade in älteren Gebäuden reagieren Heizkosten sehr empfindlich auf solche Verbesserungen.
Was hinter „Komforttemperatur“ wirklich steckt
Viele orientieren sich an einer festen Zahl am Thermostat – oft 22 oder 23 Grad. Ob ein Raum tatsächlich angenehm wirkt, hängt jedoch von mehr ab: Luftfeuchtigkeit, Zugluft, Bodenbelag und auch Kleidung spielen mit hinein. In einer gut isolierten Wohnung ohne Zug können sich 20 Grad schnell genauso behaglich anfühlen wie 22 Grad in einem zugigen Altbau.
Ein kleiner Selbsttest kann sich lohnen: Eine Woche lang die Zieltemperatur um ein Grad reduzieren und bewusst beobachten, wie es sich anfühlt. Ein Grad weniger spart grob 6 Prozent Heizenergie. Wer von 22 auf 20 Grad geht, landet damit bereits bei zweistelligen Einsparungen, ohne zwingend frieren zu müssen – sofern die Rahmenbedingungen in der Wohnung passen.
Heizen, wenn Strom grün und günstig ist
Bei Wärmepumpe, Nachtspeicher oder elektrischer Fussbodenheizung zählt der Zeitpunkt noch stärker. Solche Systeme können Wärme „zwischenparken“. Wer sie gezielt dann laufen lässt, wenn das Netz gut versorgt ist und viel erneuerbare Energie verfügbar ist, entlastet Klima und Geldbeutel.
Bei dynamischen Tarifen mit stündlich wechselnden Preisen wird der Vorteil besonders deutlich. Ein Blick in die Tarif-App zeigt oft: Sehr frühe Morgenstunden oder die Mittagszeit sind häufig günstiger, wenn viel Wind- und Solarstrom im System ist. Wer dann Speicher lädt und die Wärme in den Abend mitnimmt, sitzt zur Prime Time warm – ohne ausgerechnet in den teuersten Stunden nachkaufen zu müssen.
Entscheidend ist damit nicht nur, wie stark die Heizung arbeitet, sondern vor allem, wann sie es tut. Wer die zwei optimalen Heizfenster kennt und konsequent einsetzt, kommt komfortabel durch den Winter und reduziert den Druck bei der nächsten Jahresabrechnung spürbar.
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