KI-Konzerne haben einen enormen Energiehunger – und sind bereit, auf Technologien zu setzen, die noch nicht vollständig beherrscht werden. In diesem Kontext soll OpenAI in weit fortgeschrittenen Gesprächen darüber sein, künftig Strom von Helion Energy zu beziehen, einem Start-up aus dem Bereich Kernfusion. Die Grössenordnungen, um die es geht, sind bemerkenswert.
Ein Deal mit gewaltigen Dimensionen für OpenAI und Helion Energy
Nach Informationen von Axios soll OpenAI über einen Rahmenvertrag mit Helion Energy verhandeln, der OpenAI einen gesicherten Anteil an der späteren Stromproduktion des Unternehmens zusichern würde. Die genannten Mengen sind riesig: 5 Gigawatt bis 2030 und danach bis zu 50 Gigawatt bis 2035.
Für OpenAI wäre der Zugang zu solchen Kapazitäten ein strategischer Vorteil. Der Betrieb „hungriger“ KI-Systeme verschlingt ausserordentlich viel Energie: Modelle müssen trainiert werden, Server laufen rund um die Uhr, und täglich werden Milliarden von Anfragen beantwortet. Das erfordert immense Rechenleistung – und damit Stromquellen, die zuverlässig, in grosser Menge verfügbar und idealerweise CO₂-arm sind.
Ein weiteres Signal für die Nähe der Akteure: Sam Altman, CEO von OpenAI, zählt selbst zu den bedeutenden Investoren von Helion. Er unterstützte das Start-up bereits 2021 im Rahmen einer Finanzierungsrunde über 500 Millionen US-Dollar. Um mögliche Interessenkonflikte zu vermeiden, ist er aus dem Verwaltungsrat des Unternehmens ausgeschieden und nimmt an den Verhandlungen nicht teil.
Kernfusion – der vermeintliche Heilige Gral der Energie
Im Unterschied zur Kernspaltung, wie sie in klassischen Kernkraftwerken eingesetzt wird, ahmt die Kernfusion den Prozess in Sternen nach: Leichte Atome werden verschmolzen, wodurch grosse Energiemengen freiwerden – ohne langlebige radioaktive Abfälle und mit Brennstoffen, die nahezu unbegrenzt verfügbar sind. In der Theorie ergibt das eine fast unerschöpfliche, saubere Energiequelle. In der Praxis gilt jedoch weiterhin: Bislang hat niemand die Kernfusion im industriellen Massstab beherrscht.
Helions Ansatz: Direkte Umwandlung statt Turbine
Helion versucht, sich technisch von vielen anderen Ansätzen abzusetzen. Während zahlreiche Start-ups darauf setzen, die entstehende Wärme der Reaktion einzufangen und über eine Turbine in Strom umzuwandeln, nutzt Helion Magnetfelder, um Plasma zu komprimieren und die Fusionsenergie direkt in Elektrizität zu konvertieren.
Der Prototyp mit dem Namen Polaris hat zuletzt 150 Millionen Grad Celsius erreicht – eine beeindruckende Marke, aber noch unterhalb der 200 Millionen, die für eine kommerzielle Nutzung als notwendig gelten.
Microsoft, Google und die Konkurrenz: Der Fusions-Wettlauf läuft
Helion bewegt sich dabei nicht allein. Die Gespräche mit OpenAI fügen sich in eine breitere Entwicklung ein: Microsoft schloss bereits 2023 einen Stromabnahmevertrag mit Helion Energy über 50 Megawatt, mit Lieferbeginn ab 2028. Google wiederum hat mehrere Vereinbarungen mit Commonwealth Fusion Systems getroffen, einem direkten Wettbewerber von Helion – darunter ein Vertrag über 200 Megawatt.
Trotzdem ist Vorsicht angebracht. Bis heute hat kein privates Unternehmen die sogenannte Zündung (Ignition) erreicht, also den Punkt, an dem eine Fusionsreaktion mehr Energie liefert, als sie verbraucht. Helion erklärt, diesem Ziel näherzukommen – doch die für 2030 genannten Zusagen bleiben riskante Wetten auf eine Wissenschaft, deren industrielle Umsetzung noch nicht endgültig belegt ist.
Hinzu kommt ein praktischer Engpass: Um die Zusage gegenüber OpenAI erfüllen zu können, müsste das Unternehmen in weniger als zehn Jahren 8 Reaktoren bauen und ausrollen.
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