Kontrollen der Linky-Zähler: Millionen Haushalte im Visier
Enedis steht kurz davor, seine Kontrollmassnahmen rund um die Linky-Zähler weiter hochzufahren. Schon bald könnten nahezu 39 Millionen Haushalte Besuch von Prüfern bekommen, die den jeweiligen Linky-Zähler vor Ort kontrollieren. Wer den Zugang verweigert, muss mit harten Konsequenzen rechnen: Enedis behält sich vor, die Stromversorgung vollständig zu unterbrechen.
Seit Anfang 2024 hat Enedis die Überprüfungen von Linky-Zählern deutlich ausgeweitet. Die Zahl der Einsätze ist von 12 000 im Jahr 2024 auf 30 000 im Jahr 2025 gestiegen, und für 2026 wird eine nochmals höhere Taktung erwartet. Um dieses Programm zu stemmen, wurden die dafür vorgesehenen Teams massiv verstärkt: von 250 Mitarbeitenden im Jahr 2024 auf mehr als 500 nur ein Jahr später. Der Zweck ist aus Sicht des Unternehmens eindeutig: Betrug aufzudecken, der das Netz seit 2022 bereits mehr als 250 Millionen Euro gekostet haben soll.
Vorgehensweisen beim Stromdiebstahl rund um Linky
Die Betrugsmaschen fallen unterschiedlich aus. Am häufigsten wird ein zusätzliches Kabel installiert, mit dem sich ein Teil des verbrauchten Stroms „abzweigen“ lässt – die Rechnung kann dadurch um bis zu 70% sinken. In sozialen Netzwerken finden sich zahlreiche Anleitungen, Tricks und sogar Personen, die gegen einige hundert Euro ihre Hilfe anbieten, um Zähler zu manipulieren.
Enedis geht auf Betrügerjagd
Als Reaktion auf solche Praktiken zeigt Enedis nach eigener Linie keinerlei Nachsicht. Schreiben an Verdächtige weisen ausdrücklich auf eine „Abfolge von Ereignissen, die typisch für eine Betrugssituation ist“ hin und kündigen zugleich den Besuch eines Technikers an. Wer diesen Termin ablehnt oder den Zugriff auf den Zähler verweigert, riskiert eine drastische Sanktion: Eine vollständige Stromabschaltung kann zehn Tage nach dem Besuch des Kontrolleurs erfolgen.
Wenn Unschuldige unter Verdacht geraten
Kritisch ist dabei, dass nach Angaben von Betroffenen auch Verbraucher ins Visier geraten, die nach eigener Darstellung nichts manipuliert haben – etwa weil ihre Lage durch alltägliche Umstände erklärbar ist oder ein Verwaltungsfehler vorliegt. So wurde die Verbraucherschutzorganisation UFC-Que Choisir nach eigenen Angaben mehrfach eingeschaltet: Laut ihrem Präsidenten Jacky Hébert geraten Verdächtigte in eine schwierige Situation, weil von ihnen verlangt werde, ihre Unschuld zu belegen, obwohl eigentlich der Prüfer den Betrug nachweisen müsse.
Ein häufig genanntes Beispiel ist Sylvain V., 64 Jahre alt. Er sollte 1 500 Euro zahlen, nachdem sein Verbrauch zwischen 2021 und 2023 stark zurückgegangen war. Er erklärt jedoch, die Wohnung sei nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 2020 unbewohnt gewesen, und er selbst habe sie erst 2023 wieder bezogen.
Die Auseinandersetzungen zwischen Enedis und diesen Verbrauchern tragen zusätzlich dazu bei, dass ein Teil der Bevölkerung dem Linky-Zähler weiterhin misstraut. Schon bei der Einführung stand der Zähler in der Kritik: Manche warfen Enedis vor, es gehe um persönliche Daten und die Privatsphäre. Andere beklagten sich über angebliche Funkwellen, die das Gerät aussenden soll. Teilweise verbreitete sich sogar eine Falschinformation rasant, wonach das Umwickeln des Linky-Zählers mit Aluminiumfolie die Abstrahlung verringern würde…
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