Immer mehr Menschen in Frankreich wickeln ihren Linky-Zähler in Aluminiumfolie ein. Dahinter steckt die Vorstellung, sich so vor elektromagnetischen Wellen abschirmen zu können. Tatsächlich ist das keine gute Idee.
Auf sozialen Netzwerken wie TikTok oder Instagram gehen dazu Videos viral: Den Linky-Zähler mit Alufolie zu ummanteln, wird dort als vermeintliche Wunderlösung gegen elektromagnetische Wellen dargestellt.
Seit 2015 wird der Linky-Zähler landesweit ausgerollt und gehört inzwischen fest zum französischen Energiealltag. Durch die Installation lassen sich Zählerstände automatisiert erfassen, sodass Technikerinnen und Techniker seltener vor Ort sein müssen. Trotzdem bleibt der Linky-Zähler bei einigen Nutzerinnen und Nutzern ein Auslöser für teils irrationale Befürchtungen.
Linky-Zähler: Welche Ängste kursieren überhaupt?
Zu den häufigsten Behauptungen zählt eine angeblich eingebaute Spionagekamera – tatsächlich handelt es sich dabei lediglich um eine Kontroll-LED. Ebenfalls verbreitet ist die Sorge, der Zähler würde dauerhaft persönliche Daten übermitteln. In der Praxis kommuniziert der Linky-Zähler jedoch nur einmal pro Tag, und zwar nachts.
Elektromagnetische Wellen: Was Messungen und Studien zeigen
Im Zentrum der Debatte stehen immer wieder elektromagnetische Wellen. Manche Anwenderinnen und Anwender berichten von Kopfschmerzen, Schwindel oder weiteren Beschwerden, die sie ihrem Linky-Zähler zuschreiben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse zeichnen allerdings ein anderes Bild.
Eine ausführliche Untersuchung der französischen Frequenzagentur Agence nationale des fréquences (ANFR) aus dem Jahr 2017 zeigt, dass die Emissionen des Linky-Zählers deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten liegen – konkret 25- bis 37-mal niedriger als die erlaubten Höchstwerte. Zudem fallen die Emissionen sogar geringer aus als bei vielen gängigen Geräten im Haushalt, etwa bei WLAN-Routern oder bestimmten Haushaltsgeräten.
Solche Sorgen betrafen zuvor bereits Smartphones und später auch kabellose Kopfhörer. Die Angst nahm zeitweise so stark zu, dass Unternehmen wie Fazeup Anti-Strahlen-Patches auf den Markt brachten. Einige Monate danach zeigten wissenschaftliche Studien: Diese Patches halfen nicht nur nicht – im Gegenteil, sie erhöhten die Strahlung.
Alufolie am Linky-Zähler: eine sehr, sehr schlechte Idee
Den Linky-Zähler mit Aluminiumfolie zu umwickeln, ist genauso wirkungslos. Schlimmer noch: Alufolie als angeblicher Schutzschild kann erhebliche Risiken mit sich bringen. Wird die natürliche Belüftung des Zählers behindert, kann es zu Überhitzung kommen – mit potenziell gravierenden Folgen wie Stromausfällen oder sogar Brandgefahr. Noch problematischer ist, dass Aluminiumfolie elektrisch leitfähig ist und dadurch ein Risiko für Stromschläge entsteht, insbesondere beim Hantieren am Zähler oder in der Nähe der zugehörigen Leitungen.
Warum sich solche „Tipps“ online so schnell verbreiten
Dass diese Praxis auf Social Media immer populärer wird und einzelne Clips zehntausende Aufrufe erreichen, zeigt, wie gefährlich Fehlinformationen bei der häuslichen Sicherheit sein können. Was zunächst harmlos wirkt, kann bei elektrischen Anlagen schnell ernsthafte Konsequenzen haben.
Wichtig ist ausserdem: Der Linky-Zähler sendet Daten nur einmal täglich und nur kurzzeitig – in einem Zeitfenster zwischen 0 und 6 Uhr. Die Emissionen sind damit nicht nur niedrig, sondern auch zeitlich stark begrenzt.
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