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Anduril Industries und Archer Aviation präsentieren Thunder auf der Farnborough Airshow 2026

Zwei Soldaten mit Headsets vor einem Monitor steuern einen weißen Kippflügel-Drohnenhubschrauber auf einem Flugfeld.

Farnborough, Vereinigtes Königreich – Auf der Farnborough Airshow 2026 haben Anduril Industries und Archer Aviation mit Thunder eine neue autonome Angriffsdrohne der Gruppe 5 mit Tiltrotor-Konzept vorgestellt. Das System ist dafür ausgelegt, entweder im Verbund mit bemannten Kampfhubschraubern zu fliegen oder vollständig eigenständig zu operieren.

Thunder und Halo: Dual-Use-Plattform von Anduril Industries und Archer Aviation

Thunder ist Teil einer gemeinsam entwickelten, dual nutzbaren Plattform beider Unternehmen. Die zivile Ausführung soll unter dem Namen Halo vermarktet werden und die Skaleneffekte des kommerziellen Marktes mit den spezifischen Anforderungen militärischer Einsätze zusammenführen.

Wie Aviacionline berichtete, steht das Projekt exemplarisch für eine der derzeit tiefgreifendsten doktrinären Veränderungen in der Drehflügler-Luftfahrt. Erkenntnisse aus dem Krieg in der Ukraine, in dem die Verbreitung von Drohnen, Präzisionsmunition sowie dauerhaft verfügbaren Intelligence-, Surveillance- und Reconnaissance-Systemen (ISR) die Verwundbarkeit von Kampfhubschraubern deutlich erhöht hat, treiben die Entwicklung unbemannter Luftfahrzeuge voran, die besonders riskante Aufgaben im Gefechtsfeld übernehmen können.

Nach Angaben von Anduril wurde Thunder genau für dieses neue Umfeld ausgelegt: einen stark umkämpften Tiefflug-Luftraum, in dem Überlebensfähigkeit aus dem Zusammenspiel von Geschwindigkeit, Autonomie, Reichweite und der Fähigkeit entsteht, Kampfkraft zu bündeln, ohne Besatzungen zu gefährden.

Thunder ist die militärische Ausprägung einer autonomen VTOL-Plattform mit Doppelnutzung, die Anduril und Archer Aviation gemeinsam entwickeln. Das zivile Pendant Halo soll dieselbe Grundarchitektur nutzen und für Transport-, Logistik- und Katastrophenhilfe- beziehungsweise Notfall-Einsätze vorgesehen sein.

Technik des Thunder: VTOL-Tiltrotor, Hybridantrieb und Optimum-Speed Tiltrotors

Das Luftfahrzeug setzt auf eine Tiltrotor-Konfiguration mit Senkrechtstart und -landung (VTOL) und verbindet damit die Einsatzflexibilität eines Hubschraubers mit der aerodynamischen Effizienz eines Flugzeugs im Reiseflug.

Konstruktiv vorgesehen sind ein serielles Hybrid-Elektro-Antriebssystem sowie Tiltrotoren mit variabler Drehzahl (Optimum-Speed Tiltrotors). Diese Lösung soll den Kraftstoffverbrauch optimieren, die Reichweite erhöhen und bei Flügen in geringer Höhe die Geräuschentwicklung senken.

Den Unternehmen zufolge lässt sich die Plattform dank dieser Architektur über bereits etablierte Lieferketten der eVTOL-Industrie fertigen. Das soll die Kosten reduzieren und eine Produktion in grosser Stückzahl erleichtern.

Während Thunder auf den Verteidigungsmarkt zielt, ist Halo für zivile Aufgaben vorgesehen, darunter Frachttransport, aeromedizinische Evakuierung, Search and Rescue, Unterstützung von Offshore-Einsätzen sowie Logistik in abgelegenen Regionen.

Einsatzdoktrin und Zusammenarbeit: Apache, FVL und Lattice im umkämpften Tiefflugraum

Anstatt Kampfhubschrauber zu ersetzen, ist Thunder als Force Multiplier für gemischte Formationen ausgelegt und soll neben dem Apache sowie künftigen FVL-Luftfahrzeugen operieren.

Die modulare Architektur ist darauf ausgelegt, unterschiedliche Bewaffnung und Nutzlasten aufzunehmen. Genannt werden unter anderem Luft-Boden-Lenkflugkörper wie Hellfire, JAGM und Barracuda-100M, präzisionsgelenkte Munition, 70-mm-Raketen, Systeme der elektronischen Kampfführung, ISR-Sensorik, Fähigkeiten zur Drohnenabwehr sowie sogar logistische Nutzlasten.

Anduril zufolge kann das offensive Potenzial von Thunder in eine Grössenordnung kommen, die mit schweren Kampfhubschraubern wie dem AH-64 Apache vergleichbar ist.

Das Unternehmen erklärt zudem, dass drei Thunder-Drohnen, die gemeinsam mit einem einzelnen AH-64 Apache eingesetzt werden, einer Combat Aviation Brigade ermöglichen würden, die verfügbare Munitionsmenge zu verdreifachen, ohne die Zahl der dem Kampf ausgesetzten Piloten zu erhöhen – und dies zu deutlich geringeren Kosten als bei der Beschaffung zusätzlicher bemannter Hubschrauber.

Ein weiterer hervorgehobener Punkt ist der kooperative Betrieb über die Software Lattice. Sie soll Formationen koordinieren, taktische Informationen in Echtzeit teilen, autonome Manöver ausführen und den Einsatz auch in beeinträchtigten Umgebungen aufrechterhalten, etwa bei GPS-Störungen oder elektronischer Kriegführung, indem Sensorik, Computer Vision und Bordverarbeitung genutzt werden.

Die Entwicklung von Thunder spiegelt ausserdem den Kurswechsel des US-Heeres nach der Einstellung des Programms Future Attack Reconnaissance Aircraft (FARA) im Jahr 2024 wider. Damals räumte die Teilstreitkraft ein, dass die Erfahrungen aus der Ukraine gezeigt hätten, viele der für einen neuen bemannten Aufklärungshubschrauber vorgesehenen Aufgaben liessen sich kostengünstiger, ausdauernder und mit geringerem Risiko durch unbemannte Systeme und weltraumgestützte Fähigkeiten erfüllen.

Seither hat die US-Industrie die Entwicklung autonomer Plattformen, die mit bemannten Luftfahrzeugen zusammenwirken sollen, beschleunigt. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich auch bei Initiativen wie dem Collaborative Combat Aircraft (CCA)-Programm der United States Air Force.

Vor diesem Hintergrund überträgt Thunder das Mensch-Maschine-Kollaborationsprinzip auf die Drehflügler-Luftfahrt: grosse Drohnen, die in stark verteidigte Lufträume eindringen, Hochrisikomissionen ausführen und die Feuerkraft von Bodentruppen deutlich erhöhen können.

Anduril teilte mit, dass bereits mehrere Testflüge mit vollskaligen Ersatzluftfahrzeugen durchgeführt wurden, um die Systemarchitektur zu validieren. Der Erstflug des Thunder-Prototyps ist für 2027 geplant. Archer kündigte ausserdem an, noch in dieser Woche die ersten kommerziellen Kunden der Halo-Plattform bekannt zu geben.

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