Über viele Jahre galt der Mangel an öffentlichen Ladepunkten als eines der größten Hindernisse für die Verbreitung von Elektroautos. Inzwischen trägt dieses Argument deutlich weniger: Das öffentliche Ladenetz in der Europäischen Union wächst schneller als der Bestand an Elektrofahrzeugen.
Ende 2025 gab es europaweit 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte – das entspricht dem Fünffachen des Niveaus von 2020.
Wie eine Studie von Transport & Environment (T&E) zeigt, erfüllen inzwischen alle Mitgliedstaaten – mit Ausnahme von Malta – die europäischen Zielvorgaben zur Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur.
„Heute müssen Fahrerinnen und Fahrer von Elektroautos keine großen Strecken zurücklegen, um einen öffentlichen Ladepunkt zu finden. Die Ladeziele wirken wie vorgesehen und haben ein enormes Wachstum des E‑Auto-Marktes ermöglicht“, erklärte Lucien Mathieu, Direktor für den Automobilbereich bei T&E.
Warum wächst das Netz so schnell?
Nach Einschätzung der Organisation sind die Fortschritte vor allem auf die Umsetzung der AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) zurückzuführen. Sie soll das Ladenetz in ganz Europa ausbauen und modernisieren und damit insbesondere grenzüberschreitendes Reisen erleichtern.
AFIR legt dabei nicht nur eine Mindestanzahl an Ladepunkten fest – die Vorgaben sind direkt an die jeweilige nationale E‑Auto-Flotte gekoppelt. Konkret müssen die Mitgliedstaaten mindestens 1,3 kW öffentliche Ladeleistung pro rein batteriebetriebenem Fahrzeug (100% elektrisch) sicherstellen, das im jeweiligen Land im Umlauf ist.
EU-weit liegt die verfügbare öffentliche Ladeleistung damit 180% über dem in der Verordnung festgelegten Ziel.
Auch die Autobahnen liegen im Plan
Zusätzlich zu den an die nationale Flotte gekoppelten Vorgaben verlangt AFIR entlang der wichtigsten Verkehrsachsen der Europäischen Union Schnellladepunkte mit Gleichstrom (150 kW oder mehr) im Abstand von jeweils 60 km. Gemeint ist das TEN‑T‑Netz, das in das „Core“-Netz (im Wesentlichen nationale Autobahnen) und das „Comprehensive“-Netz (regionale Verbindungen und wichtige Hauptstraßen) unterteilt ist.
Im Juni 2026 erfüllten bereits 79% des Core-Netzes das für 2025 definierte Ziel für Ultraschnellladepunkte. Die größten Lücken bestehen vor allem in osteuropäischen Ländern sowie in Spanien – wobei ausgerechnet dort die Installation von Ultraschnellladern laut T&E aktuell am stärksten an Fahrt aufnimmt.
Im Comprehensive-Netz erreichten 20 der 27 EU-Staaten das für 2027 gesetzte Ziel bereits mit anderthalb Jahren Vorsprung.
Nach Berechnungen von T&E würden schon die Installation oder Modernisierung von rund 70 Lade-Stationen an strategischen Standorten – 22 in Spanien, 11 in Polen und sieben in Rumänien – ausreichen, um die Zielerreichung in der gesamten Europäischen Union zügig auf 90% anzuheben.
Trotz der positiven Entwicklung warnte Lucien Mathieu jedoch: Es gebe weiterhin Baustellen, insbesondere bei der Benutzerfreundlichkeit vieler Ladepunkte und bei der mangelnden Preistransparenz.
Aus Sicht von Mathieu ist die Lösung dieser beiden Punkte entscheidend, um Elektroautos für alle Fahrerinnen und Fahrer attraktiver zu machen – vor allem für Menschen, die in Wohnungen leben und beim Laden ihres Fahrzeugs nahezu vollständig auf das öffentliche Netz angewiesen sind.
Und in Portugal?
Auch in Portugal wächst das öffentliche Ladenetz kontinuierlich. Nach den neuesten Daten der UVE – Verband der Nutzer von Elektrofahrzeugen – überschritt das Land bis Mai die Marke von 16.000 öffentlichen Anschlüssen, vor allem getrieben durch den Ausbau von Schnell- und Ultraschnellladepunkten.
Die genannten Zahlen zeigen, dass Portugal das für das erste Halbjahr geltende AFIR-Ziel übertroffen hat. Gleichzeitig bleibt die Abdeckung ungleich verteilt: Zwar verfügen die meisten Gemeinden bereits über Schnellladepunkte, doch in Dutzenden – vor allem im Landesinneren – fehlt diese Infrastruktur weiterhin.
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