Der Wäschekorb quillt über, der Tag war lang – und gewaschen wird dann oft genau in dem Moment, in dem man endlich daheim ankommt. Dabei spielt die Startzeit eine überraschend große Rolle dafür, wie teuer der Waschgang am Ende wird. Wer seine Routine ein wenig verschiebt, kann übers Jahr hinweg spürbar sparen und zugleich das Stromnetz entlasten.
Warum der Waschzeitpunkt plötzlich so wichtig geworden ist
Strom sparen heißt heute nicht mehr nur, Lampen auszuschalten. Netzbetreiber und Energieversorger müssen jeden Tag neu dafür sorgen, dass Erzeugung und Verbrauch zusammenpassen. Haushaltsgeräte tragen dazu messbar bei – und Waschmaschinen sind dabei keine Randnotiz: Schätzungen zufolge gehen rund fünf bis sechs Prozent des gesamten Haushaltsstroms allein fürs Waschen drauf.
Der Vorteil gegenüber Kühlschrank oder Heizung: Beim Waschen können Sie in der Regel selbst festlegen, wann das Gerät läuft. Genau dadurch wird die Waschmaschine zu einem praktischen Stellhebel, um Kosten und CO₂-Ausstoß zu senken, ohne dass Sie auf Bequemlichkeit verzichten müssen.
Wer seine Waschmaschine zur falschen Uhrzeit startet, zahlt oft bis zu doppelt so viel pro Kilowattstunde wie nötig.
Diese Zeit am Abend sollten Sie für die Wäsche strikt meiden
Vor allem zwischen 18 und 22 Uhr ist die Nachfrage nach Strom besonders hoch. In vielen Wohnungen und Häusern laufen dann parallel Kochfeld und Backofen, Beleuchtung, Fernseher – manchmal zusätzlich Geschirrspüler oder Trockner. Das belastet die Netze und macht Energie in dieser Phase häufig teurer.
Viele Tarife kennen sogenannte „Hauptzeiten“ bzw. „Hochtarifstunden“. In diesem Zeitraum liegt der Preis pro Kilowattstunde deutlich höher. Ihre Waschmaschine benötigt dadurch zwar nicht automatisch mehr Energie – aber jede verbrauchte Kilowattstunde kostet Sie in diesen Stunden schlicht mehr.
Wer also ausgerechnet am frühen Abend wäscht, zahlt oft drauf und erhöht zugleich den Druck im Netz. Auch aus Klimasicht ist das ungünstig, weil in Lastspitzen teils weniger effiziente Kraftwerke zur Abdeckung herangezogen werden.
Typische Fehler, die viele Haushalte machen
- Waschen direkt nach Feierabend, weil es „immer schon so“ gemacht wurde
- Familien starten die „Waschmaschinen-Runde“ erst nach dem Abendessen
- Ein langes Programm wird gestartet, ohne die Uhrzeit mitzudenken
- Eine vorhandene Zeitschalt- oder Startzeitfunktion bleibt ungenutzt
Wer diese Gewohnheiten bei sich erkennt, kann meist ohne zusätzliche Arbeit gegensteuern – häufig genügt es, die Startzeit-Vorwahl zu nutzen.
Die besten Uhrzeiten, um die Waschmaschine laufen zu lassen
Das Gegenteil der teuren Hauptzeiten sind Niedrigtarif- bzw. Schwachlastzeiten. In vielen Verträgen liegen sie grob zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens. Weil die allgemeine Nachfrage dann niedriger ist, berechnen Anbieter in diesem Fenster oft günstigere Preise pro Kilowattstunde.
Idealer Zeitraum: Waschmaschine so programmieren, dass sie zwischen 22 und 6 Uhr läuft – je nach persönlichem Tarif.
Besonders deutlich macht sich das bei einem Zweitarifzähler oder speziellen Tag-/Nachtstrom-Verträgen bemerkbar. Der Unterschied kann im Extremfall mehrere Cent pro Kilowattstunde betragen. Aufs Jahr gesehen sind so schnell Einsparungen im zweistelligen Eurobereich möglich – allein dadurch, dass der Startzeitpunkt verschoben wird.
Praktische Beispiele aus dem Alltag
Eine alltagstaugliche Waschroutine kann zum Beispiel so aussehen:
- Später Abend: Maschine um 21:30 Uhr füllen, Start auf 23:00 Uhr vorprogrammieren.
- Früher Morgen: Programmende auf 6:30 Uhr legen und die Wäsche vor der Arbeit zügig aufhängen.
- Wochenende: Prüfen, ob der Anbieter am Samstag/Sonntag abweichende Zeiten für günstigen Strom anbietet.
Viele aktuelle Waschmaschinen bieten eine Startzeit-Vorwahl von bis zu 24 Stunden. Damit lässt sich das Waschen gut in den Tagesablauf einpassen – ohne dass man nachts aufstehen muss.
So stark beeinflusst das Waschprogramm den Stromverbrauch
Neben der Uhrzeit entscheidet auch das gewählte Waschprogramm über die realen Kosten. Der größte Energietreiber ist in der Regel das Aufheizen des Wassers. Genau hier setzt der Eco- bzw. Sparmodus vieler Geräte an.
Im Eco-Programm wird meist mit geringerer Temperatur gewaschen, etwa 30 oder 40 Grad, dafür mit längerer Laufzeit. Diese zusätzliche Zeit ist jedoch kein Nachteil beim Strom: Unterm Strich fällt der Verbrauch häufig deutlich geringer aus, weil weniger Energie in die Wassererwärmung geht.
Ein Waschgang bei 30 oder 40 Grad im Eco-Modus kann bis zu rund 40 Prozent weniger Energie benötigen als ein 60-Grad-Standardprogramm.
Wann der Eco-Modus sinnvoll ist – und wann nicht
- Ideal für Alltagswäsche wie Shirts, Hosen oder Bettwäsche ohne starke Verschmutzungen
- Möglich für Sportkleidung, solange kein intensiver Geruch oder hartnäckiger Schmutz vorhanden ist
- Weniger geeignet bei stark verschmutzter Arbeitskleidung oder bei Öl- und Grasflecken
Gerade bei empfindlichen Stoffen und farbigen Textilien bringt Eco oft noch einen Zusatznutzen: Die Fasern werden schonender behandelt, Farben bleiben länger kräftig, und Stoffe leiern tendenziell weniger schnell aus.
Wartung und Beladung: Versteckte Stromfresser im Alltag
Auch der Gerätezustand und die Art, wie Sie die Trommel füllen, wirken sich auf den Verbrauch aus. In vielen Haushalten wird häufig „nur halbvoll“ gewaschen, damit es schneller erledigt ist. Das führt am Ende zu mehr Durchläufen – und damit zu höherem Wasser- und Stromverbrauch.
| Faktor | Auswirkung auf den Verbrauch |
|---|---|
| Halbvolle Trommel | Mehr Waschgänge nötig, höherer Gesamtverbrauch pro Woche |
| Verschmutzte Filter und Siebe | Längere Programmlaufzeit, höherer Strombedarf |
| Zu hohe Temperatur | Deutlich mehr Energie durch Wassererwärmung |
| Altes Gerät | Oft doppelt so hoher Verbrauch wie moderne Modelle |
Als Faustregel gilt: Die Trommel sollte ordentlich gefüllt sein, ohne dass Sie die Wäsche „hineinpressen“. Zur Orientierung reicht oben etwa eine Handbreit Luft.
Was Sie noch beachten sollten, um Stromkosten beim Waschen zu drücken
Wenn Sie das Einsparpotenzial ausschöpfen möchten, lohnt es sich, neben Uhrzeit und Programm noch ein paar Alltagsdetails mitzunehmen:
- Bei nur leicht verschmutzter Wäsche das Vorspülen weglassen
- Flüssigwaschmittel eher sparsam dosieren, damit sich weniger Rückstände in Schläuchen ablagern
- Ab und zu eine 60-Grad-Wäsche gegen Gerüche und Bakterien einplanen, aber nicht bei jedem Waschgang
- Wo es möglich ist, den Trockner durch Wäscheständer ersetzen
Vor allem die Kombination aus passender Startzeit, Eco-Programm und sinnvoller Wartung zahlt sich langfristig aus. Jede einzelne Maßnahme bringt vielleicht nur wenige Euro pro Jahr – zusammen kann daraus jedoch ein deutlich spürbarer Effekt werden.
Wie stark können sich die Einsparungen wirklich summieren?
Als Beispiel: Ein Haushalt wäscht drei Mal pro Woche. Wenn jeder Waschgang konsequent
- in die günstigen Nachtstunden verlegt und
- im Eco-Programm statt bei 60 Grad durchgeführt wird,
kann das über das Jahr hinweg durchaus etliche Kilowattstunden einsparen. Je nach Strompreis ergibt sich damit schnell ein zweistelliger Betrag im Jahr – allein durch geänderte Gewohnheiten, ganz ohne neue Anschaffung.
Wer später zusätzlich auf ein sparsames Neugerät mit hoher Effizienzklasse umsteigt, kann den Verbrauch pro Waschgang nochmals deutlich senken. Besonders in Haushalten mit viel Wäsche, etwa Familien mit Kindern, wird das in Kombination mit einer klugen Zeitwahl spürbar.
Warum sich ein Blick in den eigenen Stromvertrag lohnt
Die genannten Zeitfenster von 18 bis 22 Uhr sowie 22 bis 6 Uhr sind gängige Orientierungswerte. Entscheidend ist jedoch immer, was Ihr konkreter Tarif vorsieht. Einige Anbieter haben besonders günstige Nacht- oder Wochenendpreise, andere setzen stärker auf dynamische Modelle, die sich am Börsenstrompreis ausrichten.
Oft reicht ein kurzer Check der Vertragsunterlagen oder ein Blick ins Online-Portal, um die eigenen „teuren“ und „günstigen“ Stunden zu erkennen. Wer das einmal verstanden hat, kann auch andere größere Stromverbraucher im Haushalt besser einplanen – nicht nur die Waschmaschine.
Damit wird deutlich: Die Uhrzeit an der Waschmaschine ist längst nicht nur ein Komfortmerkmal. Sie ist ein kleines Stellrad, mit dem sich die Stromrechnung beeinflussen und das Netz entlasten lässt – Tag für Tag, Waschgang für Waschgang.
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