Nach einer umfassenden Reform der Netzentgelte gelten in großen Teilen Europas neue Vorgaben dafür, wann Strom günstig und wann er teuer ist. Was zunächst nach trockener Regulierung klingt, hat direkte Folgen im Haushalt: Wer im April seinen Elektrobackofen zwischen 18 und 22 Uhr einschaltet, zahlt dafür spürbar mehr als früher. Der schnelle Snack nach Feierabend wird damit schneller zur kleinen Strom-Luxusnummer.
Was hinter den neuen Abend-Regeln steckt
Auslöser ist die Neuordnung der sogenannten Nebenzeiten im Stromtarif. Netzbetreiber und Aufsichtsbehörden haben die Zeitfenster verschoben, in denen reduzierte Preise gelten. Damit soll die starke Netzauslastung am Abend sinken – denn in diesen Stunden läuft in vielen Haushalten ohnehin vieles parallel: Heizung, Herd, Backofen, Licht, Fernseher und unter Umständen zusätzlich das Laden eines E-Autos.
"Zwischen 18 und 22 Uhr ballt sich die höchste Stromnachfrage – genau dort greifen jetzt fast überall die teuersten Tarife."
In zahlreichen Tarifen gab es früher vergünstigte Abschnitte auch am frühen Abend oder am Morgen. Dieses Prinzip wird schrittweise beendet. Stattdessen setzt sich ein klareres Schema durch: günstiger Strom vor allem spät in der Nacht – plus ein zusätzliches, günstiges Zeitfenster am frühen Nachmittag, wenn viel Solarstrom eingespeist wird.
So sind die neuen Zeiten aufgebaut
Im neuen Modell stehen pro Tag insgesamt acht Stunden mit reduziertem Preis zur Verfügung. Diese acht Stunden werden fest auf zwei Blöcke verteilt:
- Mindestens fünf Stunden in der Nacht – typischerweise zwischen 23 Uhr und 7 Uhr.
- Bis zu drei Stunden tagsüber – meist zwischen 11 Uhr und 17 Uhr, also rund um Mittag und frühen Nachmittag.
Das bisher verbreitete System mit günstigen Preisen am Morgen zwischen 7 und 11 Uhr oder am Vorabend zwischen 17 und 23 Uhr wird nach und nach abgeschafft und soll bis Ende 2027 komplett ersetzt sein.
Für Kundinnen und Kunden, die bereits auf das neue Raster umgestellt sind, ist die Veränderung vor allem in der warmen Jahreszeit deutlich: Vom 1. April bis 31. Oktober gibt es abends keine günstigen Stunden mehr. Stromverbrauch zwischen 18 und 22 Uhr fällt dann klar in die teure Zone.
Warum der Backofen ausgerechnet jetzt zum Problem wird
Gerade im Zeitfenster 18 bis 22 Uhr läuft in vielen Wohnungen besonders viel gleichzeitig: Man kommt heim, schaltet Heizung oder Klimaanlage an, kocht, räumt auf, startet vielleicht noch eine Waschladung und setzt sich vor den Fernseher. In Haushalten mit Elektroauto kommt häufig noch die Wallbox oder das Ladegerät dazu.
Mitten in dieses Verbrauchs-Hoch fällt der Backofen – und der zählt zu den Geräten mit hoher Anschlussleistung. Je nach Modell nimmt ein moderner Elektrobackofen etwa zwischen 2.000 und 3.500 Watt auf. Wenn er 45 Minuten bis eine Stunde läuft, kommen schnell einige Kilowattstunden zusammen.
"In vielen Tarifen liegt der Preisunterschied zwischen hoher und niedriger Tarifzeit bei rund 20 Prozent – ein Backofen-Abendritual treibt die Rechnung merklich nach oben."
In typischen regulierten Tarifen liegen in der Hochpreiszeit beispielsweise rund 0,21 Euro pro Kilowattstunde an, während in der Nebenzeit knapp 0,17 Euro fällig werden. Das wirkt auf den ersten Blick nach einer kleinen Differenz – bei leistungsstarken Geräten macht es sich jedoch deutlich bemerkbar.
Wann sich ein Tag-Nacht-Tarif überhaupt lohnt
Viele Haushalte zahlen bei Tarifen mit Haupt- und Nebenzeiten eine etwas höhere Grundgebühr. Im Gegenzug sind bestimmte Stunden günstiger. Rentabel wird dieses Modell aber nur, wenn ein merklicher Anteil des Verbrauchs in die günstigen Phasen verlagert wird.
Fachleute nennen dabei häufig eine Orientierung von rund 30 Prozent: Mindestens etwa ein Drittel des Stroms sollte in die Nebenzeiten fallen. Andernfalls kann die höhere Grundgebühr den Preisvorteil wieder aufzehren.
Als typische Großverbraucher, die sich vergleichsweise gut zeitlich verschieben lassen, gelten:
- elektrischer Durchlauferhitzer oder Warmwasserspeicher,
- Waschmaschine und Trockner,
- Geschirrspüler,
- Ladung eines Elektroautos,
- und auch der Elektrobackofen, sofern sich die Nutzung planen lässt.
Wer weiterhin den Großteil des Kochens und Backens in die teuren Abendstunden legt, schwächt den Spareffekt des Tarifs deutlich. Hohe Geräteleistung trifft dann genau in der Hauptzeit auf hohe Preise – und das schlägt direkt auf die Rechnung durch.
April startet die „Sommerlogik“ im Stromtarif
In vielen Netzen markiert der 1. April nicht nur einen Tag im Kalender, sondern den Beginn der sogenannten Sommerperiode. Diese dauert bis Ende Oktober und verlagert die Nebenzeiten stärker in die Mittagsstunden. Grund ist die besonders hohe Einspeisung von Solarenergie in diesem Zeitraum.
"Wer mittags kocht, zahlt im Sommerhalbjahr häufig weniger – der abendliche Auflauf rutscht dagegen komplett in die teure Zone."
Die bis zu drei zusätzlichen Stunden im reduzierten Tarif liegen in dieser Phase üblicherweise zwischen 11 und 17 Uhr. Dadurch wird das Kochen zur Mittagszeit eher zum Preisvorteil – während der klassische Feierabendbraten schnell als kleiner Luxus wirkt.
So passen Familien ihren Backofen-Alltag an
Viele Haushalte verändern ihren Kochablauf inzwischen nur leicht, statt alles komplett umzustellen. Dabei tauchen einige typische Vorgehensweisen immer wieder auf:
- Vorkochen am Nachmittag: Gerichte wie Lasagne, Aufläufe oder Schmorbraten werden in den günstigen Stunden vollständig gegart und am Abend nur kurz wieder erwärmt.
- Vorratskochen am Wochenende: Am Samstag oder Sonntag laufen Backofen und Herd länger – idealerweise innerhalb günstiger Stunden. Die Portionen werden anschließend im Kühlschrank oder in der Gefriertruhe gelagert.
- Wechsel zu kleineren Geräten: Für kleine Mengen kommen häufiger Heißluftfritteuse, Mikrowelle mit Grillfunktion oder ein Miniofen zum Einsatz, die in der Regel weniger Leistung benötigen.
- Backtage organisieren: Brot, Kuchen und Ofengerichte werden gebündelt, damit der Ofen effizient ausgelastet ist, statt mehrfach nur kurz aufgeheizt zu werden.
Mit modernen Stromzählern lässt sich der Effekt besonders gut nachvollziehen. Auf dem Display oder im Online-Kundenbereich sind die genauen Zeitfenster von Haupt- und Nebenzeiten ersichtlich. Wer Waschmaschine, Warmwasser, E-Auto und auch den Backofen konsequent in die günstigen Blöcke verschiebt, reduziert die Gesamtkosten spürbar.
So stark wirkt ein einziges Backofen-Menü auf die Rechnung
Ein kurzes Beispiel zeigt den Unterschied plastisch. Angenommen, ein Ofengericht benötigt inklusive Vorheizen etwa 1,5 Kilowattstunden.
| Nutzungszeit | Preis je kWh | Gesamtkosten pro Nutzung |
|---|---|---|
| 18–22 Uhr (Hauptzeit) | 0,214 € | rund 0,32 € |
| Mittags oder nachts (Nebenzeit) | 0,170 € | rund 0,26 € |
Der Unterschied von ein paar Cent pro Mahlzeit wirkt klein. Wenn der Backofen jedoch fast täglich im teuren Zeitfenster läuft, summiert sich das über ein Jahr zu einem spürbaren Mehrbetrag. Werden zusätzlich weitere Großverbraucher zur gleichen Zeit betrieben, verstärkt sich der Effekt entsprechend.
Was Verbrauchende jetzt konkret tun können
Viele empfinden Hinweise wie „Backofen abends im April nicht nutzen“ als überraschend. Tatsächlich geht es weniger um ein Verbot, sondern um ein deutliches Preissignal. Wer etwas Spielraum hat, kann Gewohnheiten meist ohne großen Aufwand anpassen:
- Eigene Tarifstruktur im Kundenportal oder direkt am Zähler nachsehen.
- Wenn möglich Backzeiten auf Mittag oder frühen Nachmittag legen.
- Speisen einplanen, die sich gut aufwärmen lassen, etwa Eintöpfe, Aufläufe oder Ofengemüse.
- Kurze Backvorgänge bevorzugen und Vorheizen nur dann nutzen, wenn es wirklich nötig ist.
- Bei Neuanschaffungen auf energieeffiziente Backöfen und Funktionen wie Zeitschaltprogramm achten.
Warum sich ein Blick auf den Stromzähler lohnt
Moderne Zähler geben hilfreiche Rückmeldungen zum eigenen Verbrauchsverhalten. Viele Geräte zeigen nicht nur den aktuellen Verbrauch, sondern auch, in welcher Tarifzone man sich gerade befindet. Wer diese Anzeige im Alltag beachtet, bekommt schnell ein Gefühl dafür, wann Strom teuer und wann er günstiger ist.
Das ist besonders praktisch, wenn mehrere große Geräte parallel laufen: Wenn etwa mittags gewaschen, gebacken und gleichzeitig das E-Auto geladen wird, landen hohe Lasten im günstigeren Bereich. Am Abend bleiben dann eher Licht, Fernseher und Kleingeräte übrig.
Backofen, Mikrowelle, Heißluftfritteuse: Was lohnt sich wann?
Neben den Tarifzeiten spielt auch die Wahl des Geräts eine wichtige Rolle. Ein klassischer Backofen benötigt viel Leistung, ist dafür aber bei größeren Mengen sinnvoll. Eine Mikrowelle erwärmt kleine Portionen meist mit geringem Verbrauch. Heißluftfritteusen oder Miniöfen sind oft schneller auf Temperatur und brauchen häufig weniger Energie, eignen sich jedoch eher für kleinere Gerichte.
Wer die Küche geschickt kombiniert, nutzt beides: Größere Portionen werden in der Nebenzeit im klassischen Ofen gegart, während am Abend die Mikrowelle oder ein kleineres Gerät das schnelle Aufwärmen übernimmt. So bleibt der Komfort erhalten, und die reinen Stromkosten lassen sich besser kontrollieren.
Für viele Haushalte wird der April damit zur Art Generalprobe: Wer jetzt lernt, Koch- und Backzeiten an die neuen Preisstrukturen anzupassen, kommt langfristig gelassener durch kommende Strompreisphasen – ohne den Backofen am Abend komplett streichen zu müssen.
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